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Von Müttern und Söhnen (06.06.2017)

Bonobomütter sind fürsorglich, geduldig und kümmern sich auch noch dann um ihren Nachwuchs, wenn dieser schon erwachsen ist. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Kinder in der Gruppe bleiben, in der sie geboren wurden. Bei den Bonobos sind das die Söhne. Töchter wechseln zum Zeitpunkt der Pubertät in benachbarte Gruppen und knüpfen dort ihre sozialen Netze. Welchen biologischen Vorteil die enge Mutter-Sohn-Bindung hat ist noch nicht vollständig geklärt. Untersuchungen an Bonobos in LuiKotale deuten darauf hin, dass mütterlicher Protektionismus einen Einfluss auf die Konkurrenz der Männer hat. So unterstützen Mütter ihre Söhne in Konflikten mit anderen Männern und verschaffen dem Nachwuchs möglicherweise entscheidende Vorteile gegenüber jenen Männern, die keine nahen Verwandten haben.

Zoe gehört zum „Urgestein“ der West-Gruppe und ist, was das mütterliche Engagement angeht, mit drei Söhnen gut ausgelastet. Ben (23 Jahre) ist schon seit vielen Jahren erwachsen und hat innerhalb der Männerkohorte einen hohen Status inne. Zed (15) ist noch nicht ganz ausgewachsen, zeigt aber schon jetzt Ambitionen, die mütterliche Unterstützung für die eigene Karriere zu nutzen. Zoes jüngster Sohn Zizu (7) ist privilegiert da er sowohl vom Rang der Mutter, als auch von der Anwesenheit der Halbbrüder profitiert.

Für Bonobo Alive ist der Zoe-Clan zum Aushängeschild geworden. Ein stimmungsvolles Portrait von Zoe (aufgenommen von Caro Deimel) gab die Vorlage für das Vereinslogo und ziert auch das am meisten verkauften Bonobo Alive T-Shirt. Jetzt gesellt sich Zizu dazu: Unter Verwendung einer Aufnahme des Tierfotografen Christian Ziegler hat die Designerin Etta Sopie das Bild für die neuen T-Shirts für Kinder gestaltet. Damit symbolisieren die neuen T-Shirts ein Merkmal, welches Bonobos von anderen Menschaffen unterscheidet: Mütter und Söhne gehören zusammen.

Bonoboweibchen Zoe, © Caro Deimel; Bonoboweibchen Zizu, © Christian Ziegler; T-Shirt Kollektion


Mehr Infos:


Bilder: links: "Zizu" von Christian Ziegler, Mitte: "Zoe" von Caro Deimel, rechts: neue T-Shirt-Kollektion

Weitere Hilfe für bedrohte Bonobos (15. Juni 2016)

Für den Schutz von Menschenaffen werden weltweit große Anstrengungen unternommen wobei nicht immer klar ist, welche Auswirkungen das Investment tatsächlich hat. Verschiedene Studien haben deshalb versucht, den Effekt anhand konkreter Zahlen zu erfassen. Fazit: Die ständige Präsenz von Menschen, die sich direkt für den Schutz bedrohter Menschenaffen stark machen hat besonders nachhaltige Wirkung. Dabei  ist es egal, ob es sich um Mitarbeiter von Naturschutzorganisationen oder Forscher handelt. Aufgrund dieser Erkenntnis könnte man meinen, dass der Schutz von Menschenaffen relativ einfach in den Griff zu bekommen ist, indem man an möglichst vielen Orten Naturschützer bzw. Forscher stationiert. Tatsächlich ist die Zahl von Langzeitprojekten jedoch sehr überschaubar, was in erster Linie mit den hohen Unterhaltskosten, den schwierigen Lebensbedingungen vor Ort,  sowie dem Bedarf an geeignetem Personal zu tun hat. Eine Alternative zur Einrichtung neuer Stationen ist die räumliche Ausdehnung bestehender Projekte. Dank  der finanziellen Unterstützung der Ouwehands Zoo Foundation (OZW) und Quagga, zwei Naturschutzorganisationen aus den Niederlanden, sowie des Zoo-Vereins Wuppertal e.V., des Kölner Zoos und der Wilhelma Stuttgart, wird Bonobo Alive e.V. seine Schutzbemühungen auf ein ca. 100 km2 großes Waldstück ausdehnen. Das Areal liegt in unmittelbarer Nachbarshaft des derzeitigen Studiengebiets (siehe beiliegende Abbildung) und ist vom Forschungscamp LuiKotale aus gut zugänglich. Durch das Engagement der genannten Institutionen können jetzt auch Bewohner des Nachbardorfes für Arbeiten wie Populationserhebungen, Habituation, Biomonitoning und Anti-Wilderei-Patrouillen eingestellt werden. Von dem verbesserten Schutz werden nicht nur die dort lebenden Bonobos sondern auch andere Wildtiere profitieren. Und für Bonobo Alive bietet sich einmal mehr die Gelegenheit, zu demonstrieren, wie Tiere und Menschen gleichermaßen vom Naturschutz profitieren können.

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Kölner Zoo kleidet Wildhüter ein (18. Dezember 2015)

Bonobo

Wenn am Ende der Trockenzeit das Wasser in den Flüssen des zentralafrikanischen Regenwaldes steigt, ist Fischfang nicht mehr einträglich und die lokale Bevölkerung deckt ihren Proteinbedarf wieder zunehmend durch Jagd. Diese Subsistenzjagd ist in Anbetracht der geringen Bevölkerungsdichte ökologisch nachhaltig. Ganz anders ist es mit der kommerziellen Wilderei organisierter Banden, die mit automatischen Waffen und ausreichender Munition oft aus überregionalen Gegenden kommen. Sie haben die großen Säugetiere im Visier: Elefanten, Sumpfantilopen, Rotbüffel und Bonobos. Zwar ist die Jagd auf geschützte Arten im Kongo strafbar, aber das Gesetz bietet keinen Schutz, da die Täter selten aufgegriffen und verurteilt werden. Um den Wilderern das Handwerk zu legen, muss man in die entlegenen Waldgebiete vordringen und sie von dort vertreiben. Trotz des Engagements großer Naturschutzorganisationen passiert das nur selten und wenn, dann werden die Gesuchten meist über Buschtrommeln und andere Kanäle gewarnt. Leichter ist es, wenn sich die Einsätze auf relative kleine Areale konzentrieren und im Verbund mit den Anrainern geschehen. Diese sind von der Invasion schwer bewaffneter Wilderer in ihren angestammten Wäldern durchaus nicht begeistert.

Bonobo

Bonobo Alive e.V. ist seit Jahren auf diesem Gebiet aktiv und hat inzwischen ein recht wirksames Verfahren etabliert, bei dem Wildhüter der kongolesischen Naturschutzbehörde ICCN gemeinsam mit der Bevölkerung gegen die Wilderei vorgehen. Die Ausrüstung, Verpflegung und Entlohnung der Patrouillenteilnehmer wird über Spenden finanziert. Neben Mitglieder- und Einzelspenden, erhält Bonobo Alive e.V.  maßgebliche Hilfe von Deutschen Zoos, wie dem Zoo Wuppertal, Stuttgart oder Köln. Von letzterem bekam Bonobo Alive e.V. kürzlich willkommene Hilfe jenseits der unverzichtbaren Geldspenden: eine große Menge Arbeitskleidung. Besser ausgerüstet fühlen sich die Helfer aus den umliegenden Dörfern jetzt sicherer und den uniformierten Wildhütern ebenbürtig. Die neue Ausrüstung steigert nicht nur die Motivation sondern hat sich im unwegsamen Gelände hervorragend bewährt.
Mit der Spende des Kölner Zoo werden neue Standards für die Aktionen von Bonobo Alive e.V. gesetzt. Unter der männlichen Dorfbevölkerung  avancieren die Hosen und T-Shirts mit dem Kölner Zoo Logo nach Aussagen von Antonin Leclerque, der derzeit für die Organisation der Patrouillen zuständig ist, zum Statussymbol. Das war nicht vorgesehen – könnte dem Naturschutzgedanken aber auf ganz eigene Weise Popularität verleihen.

Bonoboschutz auf dem Prüfstand (08. Juli 2015)

Bonobo

Die größte Bedrohung für freilebende Bonobos stellt die Jagd durch den Menschen dar. Um die Bonobos im Gebiet von LuiKotale vor Wilderern zu schützen, werden seit vier Jahren regelmäßig Patrouillen durchgeführt um die Camps der Wilderer aufzuspüren, die Wilderer zu vertreiben und so die Jagd auf Bonobos und andere Groß-Säuger zu unterbinden. Diese Arbeit wird ausschließlich mit Spenden von Bonobo Alive e.V. realisiert. Aufgrund der ständigen Präsenz von Forschern im Studiengebiet von LuiKotale ist es möglich, die Auswirkungen der Anti-Wilderer Patrouillen ohne zusätzlichen Aufwand abzuschätzen. Demnach hat die Einführung der Patrouillen den Jagddruck spürbar reduziert und bei den Bonobos der beiden Studiengruppen gänzlich eliminiert. Aber wie sieht es außerhalb des vergleichsweise gut geschützten Studiengebietes aus? Haben die Patrouillen auch Auswirkungen auf andere bedrohte Arten wie Waldelefanten und Rotbüffe? Und wie nachhaltig ist die, durch die Patrouillen erzielte abschreckende Wirkung? Um diese Fragen zu beantworten wird derzeit ein Projekt durchgeführt, welches den Einfluss des Studienortes LuiKotale und den von Bonobo Alive e.V. finanzierten Patrouillen auf das Vorkommen verschiedener Tierarten, inklusive Bonobos, evaluiert. Die Resultate dieser Bestandsaufnahme werden helfen, die Wirksamkeit der räumlich begrenzten Schutzbemühungen zu bewerten und vielleicht auch zu verbessern. Außerdem können die Ergebnisse helfen, einen realistischen Plan zum Schutz der Bonobos im großflächigen Südteil des Salonga Nationalparks zu erstellen.

Bonobo

Das Projektteam wird von dem niederländischen Zoologen Joost van Schijndel geleitet und soll in den kommenden Monaten auf einem Gebiet von ungefähr 300km2 alle Anzeichen von Tier- und Menschenpräsenz systematisch erfassen. Zusätzlich werden im Zuge dieses Projektes Daten mit Hilfe von Kamerafallen erfasst, um auch seltene, scheue und nachtaktive Tierarten zu zählen. Was man da zu sehen bekommt, auf den folgenden Videoclips sehen.
Videoclip: Leopard
Videoclip: Elefant

LuiKotale Bonobos agieren in Schutzkampagne (15. Oktober 2014)

Bonobo

Seit seinem Bestehen bemüht sich Bonobo Alive e.V. um den Schutz der Bonobos im Gebiet von LuiKotale und den angrenzenden Wäldern. Jetzt agieren die Schützlinge selbst in einer Kampagne, die der WWF Deutschland zum Schutz von Bonobos gestartet hat. WWF plant ein stärkeres Engagement beim Schutz der Bonobos und ihres Lebensraumes. Dabei spielt der Salonga Nationalpark eine besonders wichtige Rolle, da er zu den wichtigsten Refugien der bedrohten Menschenaffen zählt. Die in der Kampagne verwendeten Fotos zeigen Mitglieder der Studiengruppe (Bompusa community), deren Verhalten und Lebensweise seit vielen Jahren erforscht wird. Alle Mitglieder der Gruppe tolerieren die Gegenwart der Forscher und sind inzwischen auch begehrte Objekte für Fotografen und Film-Teams. Dank der Unterstützung der Freunde und Förderer von Bonobo Alive e.V.  konnte die Population in LuiKotal und Umgebung weit besser geschützt werden, als dies andernorts der Fall ist. Bleibt zu hoffen, dass die WWF-Aktion erfolgreich ist und den Schutz der Bonobos auf andere Teile des Verbreitungsgebietes ausdehnen und langfristig sichern kann.

Familiengeschichte (11. August 2014)

Bonobo
Bonobo

Bonobomütter sind fürsorglich und pflegen enge Bindungen zu ihrem Nachwuchs. Söhne bleiben in der Gruppe in der sie geboren werden und halten auch im Erwachsenenalter noch engen Kontakt zu ihren Müttern. Töchter wandern aus und schließen sich einer fremden Gruppe an, bevor sie eigene Nachkommen haben. Polly ist da eine Ausnahme: Im Februar 2014 bekam die Bonobofrau ihr erstes Kind, im Beisein ihrer Mutter Paula und den Schwestern Priska und Parvati. Polly ist derzeit die älteste Tochter im Paula-Clan und mit geschätzten 12 Jahren eine junge Mutter. Mit der Geburt von Paulas Enkeltochter „Puran“ hatte keiner vom Forscherteam gerechnet und entsprechend groß war die Überraschung. Die Tatsache, dass Polly vor dem üblichen Wechsel in eine andere Gruppe ein Kind bekommen hat, gibt Rätsel auf. Im Wald von LuiKotale gibt es überall Bonobos und Polly hätte ausreichend Gelegenheit gehabt, sich einer anderen Gruppe anzuschließen. Vielleicht waren der hohe Status der Mutter und die damit verbundenen Privilegien auschlaggebend. Auch ist nicht gesagt, ob sie auf Dauer in der Gruppe bleiben wird. Während das Rätselraten weitergeht, bietet sich den Forschern erstmals die Gelegenheit, drei Generationen mit bekanntem Familienhintergrund gleichzeitig zu beobachten.