Verwandtschaft & Bindungen

Männliche Bonobos tun, was bei anderen Säugetieren einschließlich der meisten Primatenarten selten ist: Sie verbringen ihr ganzes Leben in der Gruppe, in die sie hineingeboren wurden. Anders als die Weibchen sind sie damit näher mit den Männchen ihrer Gruppe verwandt. Sie haben deshalb auch als Erwachsene Kontakt zu nahen Verwandten. Diese Verwandtschaften sind sehr wichtig und prägen die Sozialbeziehungen auf ganz bestimmte Weise: Verwandte Tiere sind eher geneigt, sich zu unterstützen und zu kooperieren als nicht verwandte. Biologisch gesehen läge es daher nahe, dass die Männchen in der Gruppe miteinander kooperieren, nicht aber die Weibchen. Die stärkste Bindung innerhalb der Gruppe besteht aber zwischen Müttern und ihren Söhnen. Inzwischen ist bekannt, dass Söhne von der Bindung zur Mutter profitieren können. Mütter unterstützen ihren Sprössling bei Konflikten mit anderen Männern selbst wenn dieser längst erwachsen ist. Dies hat Konsequenzen für den Rang eines Männchens und wahrscheinlich auch für seinen Fortpflanzungserfolg. Um diese Fragen zu beantworten braucht es jedoch jahrzehntelange und detaillierte Freilandbeobachtungen.