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Sternstunde im Regenwald (10. September 2022)

Der männliche Bonobo auf dem Foto (Bild 1) hat eine goldfarbene Manguste im Arm. Die Art wie der Affenmann das kleine Raubtier hält, hat etwas Behutsames und Routiniertes, so als wäre die Manguste sein ständiger Begleiter. Das Bild ist nicht nur künstlerisch und technisch ein Erfolg, sondern dokumentiert die außergewöhnliche Begegnung zwischen zwei Wildtierarten, die normalerweise in einer Räubere-Beute Beziehung leben. Mangusten sind mit Schleichkatzen verwandt. Sie leben in Familienverbänden und ernähren sich von Insekten, Schnecken, und kleinen Wirbeltieren. Bonobos ernähren sich zwar überwiegend von Pflanzen, jagen aber auch andere Affen, Waldantilopen und hin und wieder auch Mangusten. An dem Tag, an dem der Fotograf mit den Bonoboforschern im Wald von LuiKotale unterwegs war, erbeutete die Gruppe eine Manguste die mit ihrem Nachwuchs unterwegs war. Während sich der Großteil der Gruppe am Verzehr der Beute beteiligte schnappte sich Bonobomann das Jungtier. Eine Stunde lang trug er es mit sich herum bevor er es schließlich wieder laufen ließ. Die außergewöhnliche Zufallsbegegnung bescherte dem Tierfotografen Christian Ziegler (Bild 2) neben einer Serie sensationelle Fotodokumente eine Auszeichnung beim diesjährigen Wettbewerb „Wildlife Photographer of the Year“. Von den 40.000 Einsendungen die Fotografen aus 93 Ländern zur Nominierung eingereicht hatten, wurde 15 Bilder ausgewählt, darunter das Foto mit dem Bonobo und der Manguste. Die Sieger des renommierten Fotowettbewerbs werden dann am 11. Oktober 2022 bekannt gegeben. Christian ist nicht zum ersten Mal im Wald von LuiKotale unterwegs. Seit über einem Jahr dokumentieren er und seine Assistenten den einzigartigen Lebensraum und seine Bewohner im Zentrum des Kongobeckens, einer urtümlichen Landschaft, die Tiere und Pflanzen beherbergt, die andernorts schon ausgestorben sind. Die Bilder von Christian erreichen ein breites Publikum haben das Potential, als Botschafter für Forschung und Naturschutz zu fungieren.



© Photo: courtesy Christian Ziegler, LKBP



© Photo: courtesy Victor Ammann, LKBP

Campmanagement - Logistik in schwerem Gelände (24. August 2022)

Für Melina Gersberg (Bild 1) beginnt jeder Arbeitstag um sechs Uhr mit dem Ablesen der Wetterstation. Um diese Zeit ist ein Forscherteam bereits bei den Bonobos im Wald. Die anderen schlafen noch. Den Küchenplan hat sie am Vorabend mit dem Koch besprochen und mit etwas Glück geht der Tag ruhig an. Eine Stunde später wird es im Camp lebendig und bis zum Abend bleibt es betriebsam. Die Arbeiter brauchen Zigaretten und Seife, die Zuckerdose ist leer, der Fischer liefert seinen Fang in der Küche ab und besteht darauf, dass sofort gewogen wird. Mit dem Trocknen werden die Fische leichter was den Preis drückt. Spätestens um acht sitzt Melina im Büro, macht die Buchführung, bestellt Proviant im Dorf, erledigt E-Mails, kümmert sich darum, dass alle Ladegeräte laufen und nimmt die SMS Nachrichten der Teams aus dem Wald entgegen. Mit den Assistenten, die später in den Wald gehen, bespricht sie die Arbeiten, überprüft, dass jeder geladene Ersatz-Akkus hat und die GPS-Daten vom Vortag schon kopiert sind. Mittags kommt eine Gruppe Träger mit Proviant aus dem Dorf. Die Ware wird gewogen und im Depot verstaut. Bevor sich die Träger auf den Rückweg machen, werden sie ausgezahlt und Melina schreibt die Bestell-Liste für den nächsten Transport. Um die Hütten im Camp instand zu halten, braucht es neue Palmblätter und die Preise für solche Arbeiten sind à discuter. Um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen braucht es Beharrlichkeit, Geduld und eine gute Portion Humor. Wenn am Abend die Teams aus dem Wald zurückkehren wird der Plan für den nächsten Tag besprochen und der Koch instruiert. Der Fischer hat sich den Fuß verletzt und fragt nach Desinfektionsmittel und Verbandszeug. Dann wird es ruhig im Camp. Groß ist die Forschungsstation LuiKotale nicht und auch die Anzahl der Mitarbeiter, die gleichzeitig vor Ort sind, hält sich in Grenzen. Dennoch ist die Betreuung des Camps mehr als ein full time job. Freie Tage sind nur dann wirklich frei, wenn Melina in den Wald geht. Andernfalls kommt immer jemand mit einer „sehr dringlichen“ Angelegenheit. Ist die Bürotür einmal offen, dann kommt die Arbeit von ganz allein. Abgesehen vom zeitlichen Investment sind die Aufgaben der fürs Camp zuständigen Person ungewöhnlich divers. Sie reichen von der Buchführung über Kommunikation und Datenverwaltung bis hin zu Transportlogistik, Softwareinstallation und der Wartung von Stromerzeugern. Die Expertise von Neuankömmlingen, die das Camp übernehmen, ist im besten Fall auf einen dieser Bereiche begrenzt. Bei Melina war es das Organisationstalent, eine Stärke, die sie sich bei der Arbeit für verschiedene Naturschutzorganisationen erworben hat. Den Rest hat sie sich im Laufe der Zeit angeeignet. Ohne Melina geht in LuiKotale heute nichts, wenigsten solange nicht, bis sie ihre Nachfolgerin eingearbeitet hat. Wie es dann weitergeht ist noch offen, aber Melina kann gelassen in die Zukunft blicken. Mit der Erfahrung, die sie aus LuiKotale mitbringt, ist sie jeder Aufgabe gewachsen.



© Photo: courtesy Christian Ziegler, LKBP

Projekt Bongo: Eine Bestandsaufnahme im Regenwald (12. Juli 2022)

Gnus, Zebras und Antilopen die zu tausenden durchs offene Grasland ziehen, dazwischen Elefanten, Nashörner und Löwenrudel. Es ist diese geballte Masse an Wildtieren und die endlose Weite der Landschaft, die das typische Bild vom afrikanischen Kontinent prägt. Im dichten Regenwald ändern sich die Verhältnisse. Die üppige Vegetation bietet ausreichend Nahrung, im Gegensatz zur Savanne verlagert sich aber die Produktivität der Pflanzen vom Boden in die Baumkronen. Unter diesen Bedingungen sind Körpergrösse und Herdenbildung eher hinderlich. Waldlebende Antilopen, Elefanten und Büffel sind kleiner und graziler als die Artgenossen in der angrenzenden Savanne. Eine Art die diesem Trend nicht folgt, ist der Bongo, Tragelaphus eurycerus (Bild1). Mit einem Körpergewicht von bis zu 400 kg gehört die Antilope nach Rotbüffel und Waldelefant zu den größten Regenwaldbewohnern. Das rostrote, zottige Fell mutet im feuchtwarmen Regenwald exotisch an und die ausladenden Hörner lassen keinen Zweifel an der Wehrhaftigkeit der Tiere aufkommen. Für einheimische Jäger war und ist die Jagd auf Bongos eine Herausforderung und bis heute von vielen Ethnien tabuisiert, was der Riesenantilope einen gewissen Schutz verleiht. Für Hobbyjäger stellt afrikanische Mystik allerdings kein Hindernis dar. Die ungewöhnliche Optik macht Bongos zu einer begehrten Trophäe und die Jagdkonzession zu einem einträglichen Geschäft. Ein weiterer Gefahrenherd sind Krankheitserreger, die von Hausrindern stammen und für Bongos und andere Wildtiere tödlich sind. Bongos brauchen also Refugien, in denen weder gejagt, noch Weidewirtschaft betrieben wird. Schutzgebiete wie der Salonga Nationalpark sind für den Fortbestand der Art deshalb von entscheidender Bedeutung. Wie viele Bongos tatsächlich im Park leben und ob die aktuellen Bemühungen der kongolesischen Naturschutzbehörde ausreichen, um die Population zu schützen, ist nicht bekannt. Die Serengeti-Park-Stiftung (https://www.serengeti-park-stiftung.de/) die seit langem um den Schutz bedrohter Wildtiere bemüht ist, führt gemeinsam mit Bonobo Alive eine erste Bestandsaufnahme von Bongos in der Pufferzone des Salonga durch. Dazu wird mit Hilfe von Kamerafallen (Bild 2) festgestellt, in welchen Habitaten Bongos vorkommen, wie standorttreu einzelne Individuen sind, und wie viel Individuen das gleiche Areal nutzen. Später sollen einzelne Tiere mit Sendern ausgerüstet werden, um genauere Informationen über ihre Wanderungen durch den Regenwald zu erhalten. Auf der Grundlage dieser Daten könnten Naturschutzorganisationen und Parkbehörde ein Monitoring Programm entwickeln und so den Status der Population im Park und den angrenzenden Gebieten langfristig überwachen.



© Archiev/LKBP



© Gottfried Hohmann/LKBP

Zoe ist weg – Ende eines Matriarchats? (23. Mai 2022)

Primatenforscher haben die Angewohnheit, Studienobjekten mit denen sie sich tagtäglich beschäftigen, Namen zu geben. Ginge es nur um die Unterscheidung verschiedener Individuen, dann würden Zahlen den gleichen Zweck erfüllen. Die meisten Menschen tun sich jedoch leichter, Gesichter mit einem Namen in Verbindung zu bringen. Die Bonobofrau Zoe gehört seit Anbeginn der Freilandstudien im Wald von LuiKotale zur Gruppe, die an Menschen gewöhnt und tagtäglich beobachtet wird. Caroline Deimel, heute stellvertretende Vorsitzende von Bonobo Alive, brachte vor vielen Jahren von einer Reise die ersten brauchbaren Fotos von Mitgliedern der West-Kommune mit. Unter anderem auch eins von Zoe. Es zeigt ein ernstes, selbstbewusstes Gesicht, umrahmt von dichtem Grün des Regenwaldes (Bild 1). Das Portrait wurde zum Aushängeschild von Bonobo Alive; es existiert als Postkarte, Aufdruck von T-Shirts und ziert den Briefkopf des Vereins. Seit der Namensgebung wurden von Zoe zigtausend Beobachtungen protokolliert und ihre Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Gruppe aufgeklärt. Zu der individuellen Datenbank gehören unzählige Urinproben, die einmal Auskunft über ihre biologische Lebensgeschichte geben werden. Wie alle residenten Frauen war Zoe nicht allein. Zu ihrem Clan gehören drei Söhne, Ben, Zed und Zizu (Bild 2) sowie die Tochter Zaina. Dass der erwachsene Ben Zoes Sohn ist, war zunächst nicht bekannt und kam erst anhand von genetischen Verwandtschaftsanalysen ans Licht. Der Erfolg der Männer hängt bei Pan paniscus entscheidend von der Unterstützung durch die Mutter ab. Mit drei Söhnen war Zoe für die Weitergabe ihrer Gene gut aufgestellt. Ob Söhne erfolgreich sind oder nicht, hängt jedoch entscheidend von der mütterlichen Unterstützung ab. Für Ben, Zed und Zizu sind die Aussichten nicht gut. Im Herbst 2021 traten bei Zoe Krankheitssymptome auf. Sie hatte Ausfluss an Augen und Nase und war ganz offensichtlich physisch angeschlagen. Sie begann, sich von größeren Gruppen fern zu halten. Zunächst blieb der Familienclan beieinander, aber irgendwann fingen Ben, Zed und Zizu damit an, ihre eigenen Wege zu gehen. Zaina war zu diesem Zeitpunkt erst vier Jahre und weiterhin auf mütterliche Zuwendung angewiesen. Im Dezember tauchten Zoe und Zaina zum letzten Mal in den Beobachtungsprotokollen auf. Seitdem fehlte jede Spur von Mutter und Tochter. Erst im April wurde Zaina wieder gesichtet und zwar in Begleitung ihrer Brüder Ben, Zed und Zizu. Zoe wurde nicht mehr gesehen und was seit ihrem Verschwinden passiert ist, bleibt ein Rätsel. Die Vermutung, dass sie an einer Krankheit gestorben ist, liegt nahe. Wann das geschah, und wie es Zaina gelang, zu ihren Brüdern zu finden, sind Fragen die wohl für immer unbeantwortet bleiben. Während Zaina die Gruppe in einigen Jahren vermutlich verlassen wird, werden Ben, Zed und Zizu bleiben und die Familiengeschichte auf ihre Weise fortsetzen.



© LKBP/Caro Deimel



Zoe inmitten ihrer Familie. Ben groomt Zed (links), rechts von Zoe sitzt Zizu.

© Zana Clay/LKBP

Mama Fifi übernimmt das Ruder (16. April 2022)

Wer die Forschungs-Stationen LuiKotale und Ekongo besucht, begreift schnell, welche Rolle die lokalen Assistenten spielen. Gemeinsam mit dem internationalen Forscherteam übernehmen sie das Monitoring der Bonobos, stehen früh um 5 unter ihren Nestern und kehren lange nach Einbruch der Dunkelheit ins Camp zurück. Andere sorgen für die Verpflegung der Campbewohner, gehen fischen, halten die Wege durch den Wald offen, bauen Brücken und renovieren Hütten. So unterschiedlich ihre Aufgaben auch sind, eins hatten die kongolesischen Mitarbeiter bis vor kurzem gemeinsam, sie waren männlich. Die Mitarbeit von Frauen wurde bislang immer abgelehnt. Lohnarbeit ist begehrt und mithin eine Domäne, die von Männern beansprucht wird. Frauen, hieß es, müssten im Dorf die Stellung halten, das Feld bestellen, kochen und die Kinder versorgen. Das sind berechtigte Einwände die aber nicht erklären, warum Frauen über viele Jahre hinweg auch dann nicht zum Zuge kamen, wenn es Arbeitsmöglichkeiten im Dorf gab. In der Gesellschaft der Nkundu erfolgt die Zuteilung von Privilegien über das Votum der Dorfältesten und die sind nun mal alle männliche. Als der Mitarbeiter, der für die Akquise und den Transport lokaler Lebensmittel zuständig war ausfiel, mussten schnell Ersatz gefunden werden. Und diesmal fand sich tatsächlich eine weibliche Bewerberin. Mama Fifi aus dem Dorf Lompole, wollte den Posten übernehmen. Trotz ihrer Tätigkeit als Lehrerin in der Dorfschule und der Versorgung der eigenen Familie verlief die Einarbeitung rasch und problemlos. Zweimal pro Woche organisiert sie Essenstransporte vom Dorf in den Wald, kauft Maniok, Bananenstauden und Spinat aus den umliegenden Ortschaften und verteilt den Proviant auf die verfügbaren Träger (Bild 1). Kaum, dass Mama Fifi den Posten übernommen hatte legte sie nach. Anders als ihre männlichen Vorgänger wollte sie mehr über die Arbeit im Wald erfahren und mit dem internationalen Forscherteam zu den Bonobos gehen. Die Anfrage kam für alle überraschend und bedurfte einiger Planung. Mama Fifi bezog eine Zelthütte in unmittelbarer Nähe zu den Unterkünften der zu der Zeit ausschließlich weiblichen Forschercrew. Am Morgen nach ihrem Eintreffen im Camp zog sie mit den Forscherinnen los und verbrachte den Tag im Wald (Bild 2). Die Akzeptanz der männlichen Führung, auch Frauen an der Projektarbeit und damit an den Verdienstmöglichkeiten zu beteiligen, ist ein wichtiger Schritt auf dem Wege, verfügbare Ressourcen gerechter zu verteilen. Für Bonobo Alive ebnet sie den Weg, die Notwendigkeit von Naturschutz und Forschung der gesamten Dorfbevölkerung zu vermitteln.



© Gottfried Hohmann/LKBP



© Melina Gersberg/LKBP

Mehr Raum für Bonobos (05. März 2022)

Bekesse ist der Name einer kleinen Savanne, eine Insel inmitten des größten zusammenhängenden Regenwaldareals des Afrikanischen Kontinents. Bis vor einigen Monaten waren das Grasland und die umliegenden Wälder Jagdrevier der Bewohner des Dorfes Mbungusani. Wie in anderen Dörfern auch hat die Jagd für den Eigenbedarf eine lange Tradition. Aber die wildreichen Wälder in der Pufferzone des Salonga Nationalparks werden nicht nur von den Anrainern genutzt, sondern ziehen auch Jäger an, die mit Elfenbein und Wildfleisch Handel treiben. Seit Jahren führt Bonobo Alive gemeinsam mit Mitarbeitern der kongolesischen Naturschutzbehörde Patrouillen durch. Dabei mehrten sich die Hinweise darauf, dass die Bewohner von Mbungusani den kommerziellen Handel mit Wild und Elfenbein unterstützten. Dörfer, die die Jagd auf Waldelefanten und andere Wildtiere tolerieren, werden am Gewinn beteiligt und es war klar, dass diplomatische Interventionen allein nicht ausreichen würden, gegen die Jäger vorzugehen. Die Mitarbeiter von Bonobo Alive und dem LuiKotale Bonobo Projekt bemühten sich um einen kurzen Draht zu den Dorfältesten. Auf diesem Wege erwirkten sie eine Selbstverpflichtung, die Jagd auf Bonobos und andere geschützte Arten nicht weiter zu unterstützen. Das funktionierte nicht von heut auf morgen und es gab immer wieder Rückschläge, weil einzelne Jäger oder Familiengruppen sich nicht an die Abmachung hielten. Aber das Interesse an der Arbeit von Bonobo Alive war geweckt und schließlich stimmte das Dorf einem langfristigen Abkommen zu. Ziel der Übereinkunft ist es, einen großen Teil des Waldes für Naturschutz und Forschung zu nutzen und dort nicht mehr zu jagen. Die Umsetzung des Abkommens beinhaltet nicht nur Verzichtserklärungen der Dorfbewohner, sondern auch ein größeres Investment seitens Bonobo Alive. Die Errichtung des Camps Bekesse (Bild 1) war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, die Bevölkerung von Mbungusani in Naturschutzvorhaben einzubinden. Die dringend benötigte Anschubfinanzierung für das Mbungusani-Projekt kommt von der Wilhelma, dem Zoologischen und Botanischen Garten in Stuttgart. Seit einigen Jahren unterstützt die Wilhelma die Arbeit von Bonobo Alive und beteiligt sich unmittelbar an den Bemühungen, freilebende Bonobos und ihren natürlichen Lebensraum zu schützen. Dank der Spenden der Wilhelma kann nun die eigentliche Arbeit im Mbungusaniwald beginnen. Wichtigstes Ziel ist es, die Jagd auf Bonobos zu verhindern, Bestandszählungen durchzuführen und den Schutzstatus zu überwachen. Durch den Zugewinn des neuen Terrains vergrößert sich der Wald, den die Dörfer am Rande des Salonga für die Naturschutzvorhaben von Bonobo Alive abtreten, auf über 1400 km² (Bild 2). Dieses Gebiet langfristig zu sichern, stellt den Verein vor neue Herausforderungen!



Studiengebiet des LuiKotale Bonobo Projektes (LKBP) in der westlichen Pufferzone des Salonga Nationalparks (oben links) mit Ausschnitt der vier Dörfern zugeordneten Wälder (oben rechts). Mbungusani-Wald mit Camp Bekesse: aus Mitteln der Wilhelma; Bekombo-Wald mit Camp Ekongo aus Mitteln der Ouwehand Zoo Foundation; Lompole Wald mit Camp LuiKotale aus Mitteln von MPG, BMBF und CRC (Karte LKBP_2021© E. McLester).



Forschungscamp Bekesse kurz nach der Errichtung der drei ersten Häuser: v.l.n.r: Depot mit office und Schlafmöglichkeit für Assistent*innen; gemeinsamer Ess- und Arbeitsplatz; Küche mit Vorratsraum und Schlafplätzen für lokale Assistenten (photo LKBP_2021© F. Brenet).

Der Tag der Bonobos (09. Februar 2022)

Das LuiKotale Bonobo Projekt führt Langzeitstudien an mehreren Bonobokommunen durch. Eine besondere Herausforderung solcher Studien ist die dauerhafte Anwesenheit von Beobachtern. Nur so lassen sich wichtige biologische Veränderungen wie Wachstum und Entwicklung einzelner Individuen oder die Netzwerke sozialer Beziehungen innerhalb und zwischen den benachbarten Gruppen erfassen. Seit dem Beginn des Projekts im Februar 2002 sind 7.300 Tage vergangen, an denen Forscher Daten zu Verhalten und Lebensweise der Bonobo-Population in den Wäldern westlich des Salonga Nationalparks gesammelt haben. Bis sich die Bonobos an den Menschen gewöhnten, vergingen mehrere Jahre und in dieser Phase war viel Zeit für die Suche nach den scheuen Menschenaffen notwendig. Heute gibt es praktisch keine Ausfallzeiten mehr und die Forscher sind jeden Tag mit einem Teil der Gruppe unterwegs. Die Langzeitbeobachtungen in LuiKotale werfen ein neues Licht auf eine Primatenart, deren Persönlichkeit durch Friedfertigkeit, diplomatisches Geschick und Mitgefühl charakterisier zu sein schien. Inzwischen ist bekannt, dass Bonobos auch ganz anders können: In LuiKotale machen sie regelmäßig Jagd auf andere Primaten, Männer drangsalieren Kinder und bei Begegnungen mit benachbarten Gruppen wird bisweilen mit allen verfügbaren Mitteln gekämpft. Dieser Teil des Verhaltensrepertoires passt zwar nicht unbedingt in das Bild vom friedfertigen Menschenaffen, ähnelt jedoch durchaus dem, was wir täglich über unsere eigene Spezies zu hören bekommen. Der 14. Februar ist „World Bonobo Day“, ein Tag, der die Aufmerksamkeit nicht nur auf eine Primatenart lenkt, die nach wie vor Rätsel aufgibt, sondern auch auf die Gefahren aufmerksam macht, denen Bonobos in ihrem natürlichen Lebensraum ausgesetzt sind. Bonobo Alive ist nach Kräften darum bemüht, der Bonobo-Population außerhalb des Salonga Nationalpark eine Zukunft zu geben in dem sich der Verein dafür stark macht, dass Bonobos nicht mehr gejagt werden und ihr natürlicher Lebensraum in seiner ganzen Komplexität erhalten bleibt. Wem der Schutz unserer nächsten Verwandten ein Anliegen ist, der kann sich als Unterstützer und Förderer von Bonobo Alive aktiv einbringen.



Kevin Lee/LKBP

2021 auf einen Blick: Die Teams von LuiKotale und Ekongo (26. Januar 2022)

Jedes Jahr kommen Studenten und Forscher nach LuiKotale und Ekongo. Für neun bis zwölf Monate arbeiten sie in Projekten, die der Forschung und dem Artenschutz dienen. Ohne ihre Mitarbeit könnten weder die detaillierten Langzeitstudien zu Verhalten und Lebensweise von Bonobos durchgeführt, noch jene Maßnahmen realisiert werden, die speziell auf den Schutz freilebender Bonobos abzielen. Bisweilen tauchen die Namen einzelner Personen in den Berichten Neues oder Briefe auf, die meisten Assistenten bleiben jedoch ungenannt. Das soll sich ändern. In Zukunft wird der erste Beitrag des Neuen Jahres all jene nennen, die im vergangenen Jahr auf die eine oder andere Weise geholfen haben, Forschungsaufgaben und Naturschutzvorhaben in die Tat umzusetzen. Wer für mehrere Monate im Wald von LuiKotale oder Ekongo verschwindet, muss sich auf ungewöhnliche Arbeits- und Lebensbedingungen einstellen, muss auf Dinge verzichten, die sonst zur täglichen Routine gehören. Mit dem Abflug aus der Hauptstadt Kinshasa verlässt man den Herrschaftsbereich des Internet und Telefonieren geht nur noch via Satellit. Hat man das Camp erreicht, beschränkt sich die Verbindung zum Rest der Welt auf kurze Textnachrichten die als E-Mail versendet werden. Für das Gros der Assistenten ist die Medienabstinenz ein einschneidendes Erlebnis. Ebenso fremd ist die isolierte Lage von LuiKotale und die räumliche Enge im Camp. Zwei bis drei Quadratmeter Zeltfläche sind Alles, was Bewohner der Station ihr Eigen nennen, alle anderen Ressourcen werden geteilt. Umso grösser erscheint der umgebende Wald. Man könnte tagelang laufen, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen. Entfernungen zwischen verschiedenen Orten werden oft in Tagen gemessen und die Tatsache, dass in der Landessprache Lingala für Gestern und Morgen das gleiche Wort verwendet wird, ist durchaus programmatisch zu verstehen. Andererseits bietet das Leben in einer solchen Enklave Dinge, die im konventionellen Forschungsalltag eher selten sind: Eine Landschaft, in der Menschen nur eine Nebenrolle spielen, einen unverstellten Blick auf das Objekt der Forschung, Kontakte zu fremden Kulturen und, im Übermaß, Natur pur.



Bild 1: Robert de Agrela, Nadia Balduccio, Ana Kovacic, Alicia Bonilla Alcacer, Melina Gersberg, Tommaso Manzoni (hintere Reihe von links nach rechts), Sonya Pashchevkaya, Joana Duran Tapia, Victoire Martignac (vordere Reihe von links nach rechts). Foto Nadia Balduccio



Bild 2: Cristian Alvaro Tamayao (links) und Luz Angela Carvajal Villalobos (rechts). Foto Barbara Fruth
Bild 3: Ed McLester (Foto Ed McLester)



Bild 4: Tino Fruth (Foto Barbara Fruth)
Bild 5: Floriane Brenet (links) und Victoire Martignac (rechts). Foto Barbara Fruth
Bild 6: Megan Soulsby (Foto Luz Angela Carvajal Villalobos)



Bild 7: Anne-Marie Hébert (links) und Barbara Fruth (rechts). Foto Christian Ziegler
Bild 8: Daniel Blankenheim (links) und Iris Witkamp (rechts). Foto Barbara Fruth
Bild 9: Solène Lehmann (Foto Barbara Fruth)

Fotografen auf Entdeckungsreise im Kongobecken (10. Dezember, 2021)

Wer die Forschungsstation LuiKotale besucht, betritt eine Welt, in der sich alles um Bonobos dreht. Das ist nicht überraschend, denn seit über zwanzig Jahren werden diese Menschenaffen hier so intensiv erforscht wie an kaum einem anderen Ort ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Bei dem Hype um die Bonobos wird bisweilen übersehen, dass der Wald eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt beherbergt. Die Faszination an den oft so menschlichen Affen spiegelt sich auch in den Medien wider: Film- und Fotoproduktionen die in LuiKotale entstehen, kreisen nahezu ausschließlich um das Verhalten der Bonobos. Welche Arten den Wald außerdem bevölkern und welche Rolle die üppige Vegetation dabei spielt wird, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt. Christian Ziegler (Bild 1) hat sich vorgenommen, das zu ändern. Im August reiste der durch seine Tier- und Naturdokumentationen weltweit bekannte Fotograf mit Victor Ammann und Paul Bayfield (Bild 2), zwei auf Naturdokumentationen spezialisierten Fotoexperten, nach LuiKotale. Geplant ist eine umfassende Dokumentation des Lebensraums, den Bonobos mit anderen Tierarten und Menschen teilen. Mehrere Wochen war das Fotografenteam im Wald unterwegs, begleitete Forscher und Wildhüter der kongolesischen Naturschutzbehörde. Für Christian war es nicht der erste Besuch. Vor zehn Jahren war er schon einmal in LuiKotal und schaffte, was vor ihm kaum jemandem gelungen war: schwarze Affen im dunkelgrünen Dickicht so zu fotografieren, dass sich internationale Bildagenturen für die seltene Menschenaffenart zu interessieren begannen. Damals war das noch eine Pionierleistung. Zwar waren die Bonobos von LuiKotale an menschliche Beobachter gewöhnt, aber auf die unbekannten Geräusche der Kameras und die bedrohlich wirkenden Objektive reagierten die Affen zunächst mit Verunsicherung. Tagelang war Christian im Wald unterwegs ohne einen guten Schuss zu landen. Am Ende klappte es doch noch und er bekam Aufnahmen, die etwas von dem reflektieren, was Menschenaffen und Menschen verbindet. Mit der gleichen Akribie widmen sich Christian, Victor und Paul jetzt Waldantilopen, Colobusaffen, Mangaben, und Wildschweinen, dokumentieren die üppige Pflanzenwelt und zeigen, wie sich der Mensch an diesen einzigartigen Naturraum angepasst hat. Um das letzte Refugium für Afrikas Regenwälder zu schützen, werden die Arbeiten der Fotografen nicht ausreichen. Aber die Bilder dokumentieren eine Welt, die Menschen und Wildtieren gleichermaßen Lebensgrundlage bietet und die es um jeden Preis zu erhalten gilt.

Artenschutz verbindet Naturschützer und Forscher (11. November 2021)

Der Salonga Nationalpark ist mit 36.000 km2 ein Gigant unter den Schutzgebieten Afrikas. Das Umland des Parks ist dicht bewaldet, dünn besiedelt und damit vor Ackerbauern relativ sicher. Aber die Jagd auf Wildtiere ist noch immer ein lukratives Geschäft und mit Abstand der wichtigste Störfaktor für die im Park lebenden Tiere. Der Kampf gegen Wilderer stellt für die kongolesische Naturschutzbehörde ICCN eine besondere Herausforderung dar. Internationale Naturschutzorganisationen haben in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, die Ausbildung der Wildhüter, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen, zu verbessern. Aber selbst an den wenigen Orten, an denen das ICCN Stationen unterhält, sind die Wildhüter selten in der Lage zu kontrollieren, wer sich gerade im Schutzgebiet aufhält. Um illegalen Aktivitäten auf die Spur zu kommen, braucht es die Unterstützung der in der Pufferzone siedelnden Bevölkerung und die Forschungsstation LuiKotale ist wegen der ständigen Präsenz kongolesischer und internationaler Mitarbeiter als Frühwarnsystem besonders geeignet. Der Draht zwischen LuiKotale und der ICCN-Station in Mundja ist kurz. Früher wurden Nachrichten durch Kuriere übermittelt und es verging oft viel Zeit, bis ein Brief in der Station ankam. Seitdem Mundja Internetempfang hat, kommunizieren beide Stationen über E-Mail. Mit der verbesserten Nachrichtenübermittlung allein ist es jedoch nicht getan. Wichtig sind nach wie vor die persönlichen Beziehungen zwischen Forschern und Wildhütern. Conservateur Jean Sendi Sita (Bild 1, links) ist seit einem Jahr für die Station in Mundja verantwortlich und räumt der Partnerschaft mit den Forschern hohe Priorität ein. Geht es darum, Wildhüter für Patrouillen zu rekrutieren, wird schnell und unbürokratisch reagiert. LuiKotale unterstützt die Wildhüter mit technischer Ausrüstung und Transporten. Im August übergab Barbara Fruth eine Kleiderspende an den Leiter der Dienststelle in Mundja (Bild 2). Das neue outfit sorgt für die formale Gleichstellung von Wildhütern und den Assistenten, die für das Forschungsprojekt arbeiten und stärkt die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure im gemeinsamen Kampf gegen die Jagd auf Bonobos und andere geschützte Arten.


Bild 1: Conservateur Jean Sendi Sita (links) und sein Stellvertreter Bassa Ngodja (Foto: Barbara Fruth, LKBP)

Bild 2: Im August 2021 wurden Arbeitskleider an die Wildhüter der Station Mundja übergeben. Seit Jahren unterstützt der Kölner Zoo das Projekt mit Kleiderspenden und hilft auf diese Weise Bonobo Alive bei der täglichen Arbeit vor Ort (Foto: Barbara Fruth, LKBP)

Erfinderische Menschenaffen (04. Oktober 2021)

Menschenaffen in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen ist ein faszinierendes Erlebnis und lockt jedes Jahr tausende Besucher nach Afrika. Will man das Verhalten der Tiere studieren, dann muss man sie abseits der Touristenpfade auf ihren Wanderungen durch den Wald begleiten. Das klingt simpel, ist aber keine leichte Aufgabe - die Gewöhnung wilder Primaten an den Menschen kann Jahre dauern. Im Wald von LuiKotale sind zwei Bonobogruppen Ziel der Forschung und für mehr als einhundert Tiere ist die Begegnung mit Menschen zur täglichen Routine geworden. Nichts in ihrem Verhalten deutet darauf hin, dass die Personen, die sie tagsüber durch den Wald begleiten, als Gefahr eingestuft werden. Wenn sich die Gruppe am Mittag zur Rast niederlässt, dann sind die Beobachter oft von Bonobos umgeben, deren schnelle Augenbewegungen auf Tiefschlaf schließen lassen. Trotz dieser Vertrautheit bleiben Mensch und Menschenaffe normalerweise auf Distanz. Beobachter halten am social distancing fest, um zu verhindern, dass Krankheitserreger auf Bonobos übertragen werden. Außerdem kann zu große Nähe das Verhalten der Tiere beeinflussen und damit die wissenschaftlichen Daten verfälschen. Warum Bonobos auf Abstandsregeln achten, lässt sich nur vermuten. Den Erwachsenen ist vielleicht die Zeit, in der Menschen zum Feindbild gehörten, noch in Erinnerung. Für die jungen Gruppenmitglieder ist das anders; ist ihnen doch die Anwesenheit menschlicher Begleiter von Geburt an vertraut. Dass sie dennoch auf Distanz achten, könnte daran liegen, dass sie das Verhalten ihrer Mütter imitieren. Warum manche Tiere von dieser Konvention abweichen, ist ein Rätsel. Wie viele andere Jugendlichen kennt Rita (Bild 1) die Forscher seit ihrer Kindheit. Als sie in die Pubertät kam und unabhängig von ihrer Mutter Rio (Bild 2) unterwegs war, zeigte sie spontan ein starkes Interesse an Menschen. Assistentinnen hatten es ihr offensichtlich besonders angetan. Waren favorisierte Zielpersonen in der Nähe, dann schwang sie sich durchs Geäst bis sie nah genug war, um gegen Rucksäcke zu treten, oder sich vor den Personen auf den Boden fallen zu lassen. Oft reichte lautes Sprechen, um die Annäherungen zu stoppen und es dauerte nicht lange, bis Rita die Kontaktversuche von sich aus einstellte. Rita war inzwischen in die Nachbargruppe gewechselt und Kontakte zu Artgenossen waren jetzt wichtiger als Versuche, Forschern auf die Pelle zu rücken. Als Rita schwanger wurde und ihr erstes Kind bekam ließ sie, wie die anderen Bonobos auch, die Zweibeiner links liegen. Tochter Rusesa (Bild 3) ist inzwischen vier Jahre alt und auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Dass auch bei ihr ein besonderes Interesse an Menschen erwacht, kam für alle überraschend. Ähnlich wie ihre Mutter begann sie vor einigen Monaten damit, auf Beobachter zuzulaufen, oder sich aus dem Geäst auf diese herabfallen zu lassen. Dabei geht sie noch zielstrebiger und entschlossener vor als ihre Mutter. Wie bei Rita versuchen die Forscher durch lautes Sprechen, die unerwünschte Neugier zu therapieren. Die spannende Frage ist, warum Rusesa die gleiche Taktik anwendet wie ihre Mutter. Imitation ist eher unwahrscheinlich, weil Rita die Annäherungsversuche lange vor ihrer Schwangerschaft einstellte. Tatsache ist, dass Mutter und Tochter Eigenschaften teilen, die anderen Gruppenmitgliedern fremd zu sein scheinen. Neugierde, Selbstsicherheit und ein Gespür dafür, wen man mit derartigen Avancen besonders überraschen kann, gehören zum Persönlichkeitsprofil der beiden. Selten sind Forscher dabei, wenn ein bestimmtes Verhalten auftaucht und noch sind die Beobachtungen an Rita und Rusesa nicht mehr als Anekdoten. Aber sie haben das Zeug, den Werdegang einer Familientradition zu dokumentieren.


© LuiKotale Bonobo Project/Sara Kovalaskas © LuiKotale Bonobo Project/Zanna Clay© LuiKotale Bonobo Project/Luz Angela Carvajal Villalobos

Personalwechsel im Vorstand: Caroline Deimel im Portrait (01. September 2021)

Der Vorstand von Bonobo Alive ist dafür zuständig, die Ziele des Vereins in die Tat umzusetzen. In der Jahresversammlung im Juli 2021 wurde Caroline Deimel in den Vorstand gewählt. Sie löst Elisabeth Labes als stellvertretende Vorsitzende ab und wird in Zukunft gemeinsam mit Barbara Fruth (Vorsitzende) und Valeska Soliday (Schatzmeisterin) die Vereinsarbeit gestalten.

Wie bei den Bonobos bleibt auch bei Bonobo Alive alles fest in weiblicher Hand“, scherzt Caro. Sie weiß, wovon sie spricht, hat sie doch Bonobos und Schimpansen in ihrem natürlichen Lebensraum erforscht. Caro gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins und kennt als ehemalige Forschungsassistentin die Gegebenheiten im kongolesischen Regenwald. Diese Erfahrungen konnte sie später als stellvertretende Projektdirektorin des Semliki Chimpanzee Projects in Uganda erweitern. Caro hat in Wien Biologie, und an der Indiana University in den USA Anthropologie studiert und forscht heute am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Verhaltensbeobachtungen im Regenwald sind ihr ebenso vertraut wie Präzisionsarbeit im Hormonlabor. Der wiederholte Wechsel zwischen sehr unterschiedlichen Standorten erforderte ein großes Maß an Flexibilität. Andererseits kam es darauf an, die persönlichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Diese Eigenschaften haben ihre Forschungstätigkeit beeinflusst und werden sich wohl auch bei ihrem Engagement für Bonobo Alive widerspiegeln: „Akademische Forschung ist oft theorienlastig und nicht immer geeignet, Veränderungen in der Praxis zu bewirken. Durch die Position im Vorstand von Bonobo Alive bietet sich nun die Gelegenheit, mit meinem Wissen und den Erfahrungen mit freilebenden Menschenaffen die Naturschutzaktivitäten des Vereins zu gestalten und nach zukunftsfähigen Konzepten zu suchen“. Die Stärken des Vereins sieht Caro in der engen Verbindung mit der Forschungsarbeit, sowie den langjährigen Beziehungen mit der lokalen Bevölkerung. Somit ist der Schutz der Bonobos und ihres Lebensraums nicht entkoppelt von den Lebensrealitäten der lokalen Bevölkerung. Inzwischen identifizieren sich die meisten Dorfbewohner mit dem Forschungsprojekt und dem Bemühen, wilde Bonobos zu schützen. Die Motivation, sich bei Bonobo Alive zu engagieren, erklärt Caro so: „Wenn wir Bonobos erforschen wollen, dann müssen wir sie auch schützen. Alle Schutzbemühungen sind vergebens, wenn sie nicht nachhaltig wirken. Und Nachhaltigkeit gelingt nur, indem man mit der lokalen Bevölkerung und den für Naturschutz zuständigen Behörden gemeinsam nach Lösungen sucht.  Zu oft und zu lange haben westliche Forscher in Afrika die lokale Bevölkerung ausgeklammert und damit Möglichkeiten für den besseren Schutz der Arten und ihrer Lebensräume verspielt. Ich bin froh, dass Bonobo Alive uns Wissenschaftler:innen eine Plattform bietet, um diesem Ziel näher zu kommen.“ Mit dieser Personalie gewinnt Bonobo Alive eine engagierte Forscherin, deren Wiener Melange aus Aktivismus, Pragmatismus und Ideenreichtum den Verein jetzt und in Zukunft stärken wird.


© Raphael Deimel © Philipp Wenzl

Goldbauchmangaben – eine Primatenart wird entdeckt (02. August 2021)

Die Erforschung der tropischen Regenwälder ist weitgehend Geschichte. Weiße Flecken auf der Landkarte gibt es kaum noch denn Satelliten haben auch die Landschaften der entlegensten Winkel dieser Erde kartiert - zumindest oberflächlich. Seit Generationen beobachten Forscher Verhalten und Lebensweise von Wildtieren, sammeln Pflanzenproben und analysieren die Beschaffenheit von Bodenschichten. Kamerafallen verschaffen einen guten Überblick über das Leben im Wald und Bewegungen einzelner Tiere können inzwischen sogar online verfolgt werden.
Einerseits gewinnt der Mensch durch den Einsatz technischer Hilfsmittel immer genauere Einblicke in die Lebensgewohnheiten von Tierarten. Andererseits gilt als sicher, dass viele Tier- und Pflanzenarten überhaupt noch nicht entdeckt sind. Eine dritte Unbekannte sind jene Arten, von denen lediglich der wissenschaftliche Name und der Fundort einiger Exemplare bekannt sind. Das Unwissen trifft mit Sicherheit auf Heerscharen von Insekten und anderen Kleinlebewesen zu, aber blinde Flecken gibt es auch bei Säugtieren. Goldbauchmangaben (Bild 1) gehören zu dieser Kategorie.

Die Primatenart kommt nur im südlichen Kongobecken vor. Ihr Status in freier Wildbahn ist ungeklärt, Angaben zu Verhalten und Lebensweise basieren eher auf Vermutungen als gesichertem Wissen. Dass eine Primatenart bis heute ein derart unbeschriebenes Blatt ist, kommt nicht oft vor. Deshalb ist das, womit sich der britische Primatenforscher Ed McLester (Bild 2) beschäftigt, eine Pionierleistung. Vor einem halben Jahr tat er sich mit den Forschern zusammen, die in den Wäldern von LuiKotale und Ekongo freilebende Bonobos studieren. Zunächst machte er sich auf die Suche nach den Affen mit dem goldschimmernden Fell. Danach heftete er sich an die Fersen einer Gruppe und folgte den Tieren auf ihren täglichen Wanderungen. Entfernte sich die Gruppe zu weit von den Forschercamps, übernachtete Ed einfach im Wald. Nach wenigen Wochen hatten sich die Mitglieder eines Mangabentrupps an den Zweibeiner gewöhnt und liefen auch dann nicht mehr weg, wenn er sich inmitten der Gruppe aufhielt.

Dem Forscher öffnete sich eine unbekannte und aufregende Welt. Die Mangaben bewegen sich vorwiegend am Boden und legen täglich große Wegstrecken zurück. Dabei begegnen ihnen oft anderen Wildtierarten. Die Vertrautheit der Affen im Umgang mit dem menschlichen Beobachter in ihrer Mitte hemmte bisweilen sogar den Fluchtinstinkt anderer Tierarten und so kamen Bonobos, Waldelefanten und Antilopen die normalerweise den Menschen meiden, Ed ungewöhnlich nahe. Eine besonders wichtige Entdeckung der Pilotstudie ist, daß Goldbauchmangaben offensichtlich die gleichen Nahrungsressourcen nutzen, die für Bonobos wichtig sind. Deshalb ist davon auszugehen, dass zwischen beiden Arten ein direktes Konkurrenzverhältnis besteht. Im Moment analysiert Ed die Daten aus der Pilotstudie, dann will er wieder zurück in den Wald. Seine Arbeit erschließt zoologisches Neuland und macht uns allen den Regenwald des Kongobeckens ein Stück vertrauter.


Copyright: Ed McLester/LKBP

Lebensgemeinschaft im tropischen Regenwald (02. Juli 2021)

Der Kongo gehört zu den längsten Flüssen dieser Erde. Der gigantische Strom hat seinen Ursprung in der Mitte des Kontinents. Zweimal kreuzt er den Äquator bis er an der Westküste in den Atlantik mündet. Für Nichtschwimmer eine unüberwindliche Verbreitungsgrenze. Das zentrale Tieflandbecken ist dicht bewaldet, mancherorts ganzjährig überflutet und von großen Flüssen durchzogen. Aufgrund der räumlichen Isolation bilden Tiere und Pflanzen Lebensgemeinschaften, die Ähnlichkeiten mit Inselpopulationen aufweisen. Wie diese Gemeinschaft funktioniert und welche Abhängigkeiten zwischen konkurrierenden Arten existieren, ist weitgehend unbekannt. Die Forschungsarbeit an Bonobos in den Wäldern von LuiKotale macht immer wieder deutlich, wie eng die Maschen des ökologischen Netzwerkes sind. Bonobos nutzen Nahrungsressourcen, die auch Wildschweine, baumlebende Affen, Nashornvögel und Waldelefanten für sich beanspruchen. Sie machen Jagd auf Antilopen, Affen, Nagetiere und Vögel. Menschen haben es auf die gleichen Tierarten abgesehen und sind zudem der gefährlichste Raubfeind der Menschenaffen. Dazu kommen natürlichen Feinde wie Goldkatze, Leopard, Riesenschlangen und Greifvögel. Die vielgestaltigen Räuber-Beute Beziehungen und die multilateralen Konkurrenzverhältnisse machen den globalen Charakter der Beziehungen deutlich: Alles hängt irgendwie mit Allem zusammen.

Will man Verhalten und Lebensweise der seltenen Menschenaffen verstehen, dann muss man sich auch Zeit für jene Arten nehmen, deren Bedürfnisse besonders eng mit denen der Bonobos verflochten sind. Einschlägige Studien stehen schon seit langer Zeit auf der „to-do“-Liste des LuiKotale Bonobo Projekts. Im November 2020 startete eine Pilotstudie, die systematisch Verteilung, Diversität, Dichte und Abundanz verschiedener Tierarten aufnahm. Erste Ergebnisse erwarten wir für die zweite Jahreshälfte. Im Herbst 2021 soll nun ein Forscherteam mit einer detaillierten Feldstudie beginnen. Ziel ist die Erfassung der Verbreitung und Häufigkeit von Tierarten, die mit Bonobos in einem Konkurrenzverhältnis stehen. Um auch den Einfluss menschlicher Jäger auf die Tiergemeinschaft zu berücksichtigen, werden die Daten in Gebieten erhoben, die sich hinsichtlich ihres Schutzstatus unterscheiden. Das Projekt zur Erforschung der Bonobos in ihrem natürlichen Lebensraum kann mit der finanziellen Unterstützung des Zoo Berlin umgesetzt werden. Seit langem fördert der Zoologische Garten Berlin die Arbeiten von Bonobo Alive. Mitarbeiter des Zoos haben sich in der Vergangenheit sogar auf den Weg in den Kongo gemacht und sich selbst vor Ort ein Bild von der Arbeit des Projekts gemacht. Um das neue Vorhaben personell und technisch auszustatten, waren weitere Fördermittel notwendig. Diese kommen vom Max-Planck-Institut für Tierverhalten in Konstanz und dem Centre for Research and Conservation im belgischen Antwerpen. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprogramm verspricht Einblicke in das ökologische Netzwerk einer Lebensgemeinschaft, die in dieser Form nur im zentralen Kongobecken überdauert hat. Die menschliche Besiedlung des Kongobeckens hat ebenfalls eine lange Geschichte und bis heute dominieren traditionelle Formen der Nutzung. Das neue Forschungsvorhaben ist deshalb nicht zuletzt ein Versuch, Möglichkeiten der Koexistenz von Menschenaffen und Menschen auszuloten.


Wegen des flachen Terrains des Kongobeckens sieht die Flusslandschaft an manchen Orten wie eine Seenplatte mit vielen kleinen Inseln aus.
Copyright: Christian Ziegler

Bonobos machen Jagd auf Leoparden: Momentaufnahme einer unbekannten Räuber-Beute-Beziehung (31. Mai 2021)

Wer durch den Wald von LuiKotale läuft, begegnet Pinselohrschweinen, Waldantilopen und Affen. Diese Arten nehmen im komplexen Beziehungsgefüge der Waldbewohner wichtige Funktionen ein. Wie die Bonobos agieren sie als Samenverbreiter und sichern so den Fortbestand einer vielgestaltigen Pflanzenwelt. Als Fruchtfresser konkurrieren sie mit Bonobos um Nahrungsressourcen und regulieren vermutlich auf diesem Weg die Populationsdichte der Menschaffen. Diese machen wiederum Jagd auf die Nahrungskonkurrenten und sorgen dafür, dass die Konkurrenz nicht die Oberhand gewinnt. Im Rennen um den Zugang zum Futter stehen Bonobos ganz an der Spitze der Nahrungskette. Außer menschlichen Jägern sind Leoparden die einzige Art, die erwachsenen Bonobos gefährlich werden könnte. Die Großkatze ist im ganzen Kongobecken beheimatet und an manchen Orten als Menschenaffenjäger bekannt. Das Leoparden Jagd auf Bonobos machen, ist eine unbestätigte Vermutung. Kotuntersuchengen ergaben, dass Bonobos zum Nahrungsrepertoir von Leoparden gehören; ob die Raubkatze allerdings lebende Bonobos jagt oder nur tote Tiere verzehrt ist ungewiss. Bei der täglichen Arbeit laufen den Bonoboforschern manchmal Leoparden über den Weg und bisweilen werden die Raubkatzen von Kameras erfasst, die im Wald aufgestellt sind, um mehr über nachtaktive oder besonders scheue Tierarten herauszufinden. Um Aufschluss über die postulierte Räuber-Beute-Beziehung zu erfahren, benötigt man Informationen zum Jagdverhalten der Leoparden. Bonobos, die ihren Tag in Gesellschaft menschlicher Beobachter verbringen, sind aber vor Angriffen geschützt und die Chance, eine solche Begegnung zu Gesicht zu bekommen, sehr gering. Deshalb ist das, was eine Forschergruppe im Wald von LuiKotale unlängst zu Gesicht bekam ein sensationelles Ereignis (eine Bericht und ein Video findet sich unter https://doi.org/10.1007/s10329-021-00897-8): Wie immer beginnt die Arbeit auch an diesem Tag im Dämmerlicht an der Nestgruppe. Dann setzt sich die Bonobogruppe am Boden in Bewegung, sucht nach Futter und widmet sich der Fellpflege. Plötzlich sind aus einiger Entfernung Alarmrufe zu hören und versetzten Bonobos und Forscher in Aufregung. Ein kurzer Galopp durchs Unterholz führt zu der Stelle, wo die Alarmrufe herkommen. Die Blicke der Bonobos richten sich in die Krone eines hohen Baumes; der Auslöser für den Alarm hält sich also irgendwo im Gewirr der Zweige verborgen. Bald klettern einige Bonobos in die Baumkrone, rütteln an den Ästen und stoßen drohende Bell-Laute aus. Als sich ein erwachsener Mann der verdächtigen Stelle nähert, schießt ein Leopard auf ihn zu. Anders als die Beobachter haben die Bonobos offensichtlich damit gerechnet, denn ihr Rückzug wirkt kontrolliert. Sobald sich der Leopard in den Baumgipfel zurückzieht, sind sie auf dem Vormarsch und provozieren weitere Scheinangriffe. Als der Druck durch die Menschenaffen etwas nachlässt, sucht der Leopard das Weite, dann gehen auch die Bonobos zur Tagesordnung über und für die Forscher endet ein unvergessliches Naturereignis, welches sie noch lange beschäftigen wird.

Die Beobachtungen lassen keinen Zweifel daran offen: für die Bonobos in LuiKotale sind Leoparden eine Gefahr. Das Hassen von Fressfeinden ist ein charakteristisches Element in vielen Räuber-Beute-Beziehungen. Einerseits dient es der Kenntlichmachung von Raubfeinden und damit der Tradierung einer Gefahrenquelle. Anderseits schmälert es den Jagderfolg und veranlasst den Jäger, sich aus dem Streifgebiet zu entfernt. Die geschilderte Begegnung ist die erste innerhalb von 20 Jahren. Will man mehr über die Beziehung zwischen Bonobos und Leoparden erfahren, dann reichen derartige Zufallsbegegnungen nicht aus. Gezielte Untersuchungen des Nahrungsrepertoirs von Leoparden anhand von Kotuntersuchungen können Aufschluss über das Beutespektrum der Großkatze geben. Die Ausrüstung von Leoparden mit elektronischen Sendern wäre ein zusätzlicher Weg, sie auf ihren Streifzügen zu verfolgen und diese mit denen von Bonobos und anderen potentiellen Beutetieren zu vergleichen.


Photo: Nicolas Corredor Ospina/LKBP

Spurensuche im Regenwald (06. Mai 2021)

Auf den ersten Blick wirken Regenwälder unberührt. Geschlossene Baumkronen und dichte Bodenvegetation vermitteln den Eindruck von unangetasteter Natur. Bei näherem Hinsehen entdeckt man Spuren der Nutzer dieser Landschaft. Meterhohe Termitenbauten konkurrieren mit Bäumen und Kräutern um begehrte Flurstücke. Stachelschweine, Schleichkatzen und Antilopen haben im dichten Unterwuchs ein verästeltes Wegenetz angelegt und entlang der tunnelartigen Trampelpfade der Waldelefanten sind die Baumstämme von einer glänzenden Patina bedeckt. Die tierischen Hinterlassenschaften deuten auf Konkurrenz um Lebensraum hin. Dabei sind die Bedürfnisse der Wohngemeinschaft ziemlich gut aufeinander abgestimmt. Einerseits werden Pflanzen in Form von Nahrung und Nistmaterial ausgebeutet und dort, wo sie das Fortkommen stören, niedergetrampelt. Andererseits sind Tiere Garanten für die Verbreitung von Samen, deren Keimfähigkeit durch die Darmpassage sogar begünstigt wird.
Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein artenreicher Lebensraum in dem sich Geben und Nehmen die Waage halten. Ganz anders sieht es dort aus, wo Menschen siedeln. Wo Hütten stehen ist der Wald restlos gerodet und der Boden erodiert (Abbildung 1). Um die Dörfer herum ist die Landschaft braun, schwarz oder grün, je nachdem in welchem Stadium sich das Ackerland für den Anbau von Maniok, Kochbananen und Mais befindet. Mit Axt und Feuer werden die Felder urbar gemacht und für ein paar Jahre bewirtschaftet. Danach ist der Boden ausgelaugt und ein neues Feld muss her. Schnell übernimmt der Wald die Kontrolle über das Brachland, bis aber eine artenreiche Pflanzengesellschaft wieder Fuß fassen kann, wird meistens erneut gerodet. Landbesitz bleibt im Dorf, jede Familie kann sich ihre Felder abstecken, wo sie möchte. Felder werden nach einigen Zyklen brach liegen gelassen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut gerodet, gebrannt und bepflanzt.
Solange die Anzahl der Dorfbewohner niedrig bleibt, scheint das System im Gleichgewicht; steigt der Bedarf an Anbauflächen, weil die Bevölkerung wächst oder der Handel mit bestimmten Agrarprodukten floriert, gerät es in Schieflage. Wo der natürliche Wald durch Ackerland verdrängt wurde, lässt sich am besten aus der Vogelperspektive feststellen. Valeska Soliday (Abbildung 2) schaut sich diesen Vorgang ganz genau an. Dazu braucht die angewandte Geografin weder Flugzeug noch Paraglider. Anhand hochauflösender Satellitenaufnahmen lassen sich sowohl die zeitlichen als auch die räumlichen Veränderungen aufs‘ Pixel genau bestimmen (Abbildung 3). Besonders wichtig ist dieses Monitoring im Einzugsgebiet des Salonga Nationalparks, dem größten Regenwaldschutzgebiet auf dem afrikanischen Kontinent. Noch ist der Park eingebettet in ein grünes Meer aus tropischem Regenwald, Flussläufen und Sumpfgebieten. Die wenigen menschlichen Siedlungen sind weit verstreut und wirken wie Kratzer auf Elefantenhaut. Gelingt es, den Status quo zu erhalten, dann haben der Park und die umliegenden Wälder eine Zukunft.

Naturschutzprojekte schaffen Arbeitsplätze und locken nicht nur Experten, sondern auch Menschen aus weiter entfernten Dörfern an. Bezahlte Arbeit ist in den ländlichen Gebieten kaum zu finden und die Aussichten auf Beschäftigung hat Magnetwirkung. Mit den Arbeitssuchenden kommen Händler in die verschlafenen Urwaldsiedlungen. Welche Auswirkungen der Zuzug Fremder und die Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen auf die Landwirtschaft haben kann man zwar ahnen, genaue Informationen wie sich das auf das schützenswerte Habitat auswirkt, sind allerdings rar. Deshalb interessiert sich Valeska besonders für den Status der Wälder im Großraum des Salonga Nationalparks. Mit Hilfe der Fernerkundung lassen sich vom Menschen verursachte Veränderungen der Vegetation nicht nur zweifelsfrei detektieren sondern auch in Zahlen ausdrücken. Als Modell für die späteren Berechnungen dienen Informationen, die im Zuge der Arbeiten von Bonobo Alive und dem LuiKotale Bonobo Projekt aufgenommen werden. Seit zwanzig Jahren beziehen die Naturschützer und Forscher ihre Lebensmittel aus den Dörfern und haben damit die Nachfrage nach Agrarprodukten angekurbelt. Anhand dieser Zahlen kann Valeska jetzt untersuchen, wie sich die landwirtschaftlichen Anbauflächen in den letzten 40 Jahren entwickelt haben, und inwiefern das Forschungsprojekt oder das Bevölkerungswachstum Einfluss auf die gerodeten Flächen haben. Ihre Untersuchungen liefern nicht nur eine wichtige Referenzen für die Bonoboschützer im Wald von LuiKotale, sondern sind Blaupause für Berechnungen, die für die gesamte Pufferzone des Nationalparks von Relevanz sein können. Das Sichtbarmachen menschlicher Aktivitäten gehört zu der wichtigsten Voraussetzung für den langfristigen Schutz eines Lebensraums, der andernorts schon seit langem nicht mehr existiert.

 

Abbildung 1: Luftaufnahme eines Urwalddorfes. Es gehört zu den Siedlungen, die am oberen Rand von Abbildung 3 zu sehen sind
(Quelle: WorldView-2 vom 5.3.2011).

Abbildung 2 (Foto: B. Fruth/LKBP)

Abbildung 3: Die Satellitenaufnahme zeigt das Studiengebiet um das Camp (rotes Dreieck) LuiKotale (untere Bildhälfte) sowie ein Mosaikhabitat aus Savanne (lila) und Wald im mittleren Bildteil. Die hellgrünen Flecken am oberen Bildrand markieren die Anbauflächen von vier Dörfern (Bildquelle: landsat-8 OLI / 21.7.2018).

Artenschutz auf dem Prüfstand (31. März 2021)

Das zentrale Kongobecken gehört zu den wenigen verbliebenen Flecken dieser Erde, die kaum erforscht sind. Es ist der letzte Ort auf dem afrikanischen Kontinent, dessen Urwälder endlos scheinen. Der Wald von Ekongo ist ein winziges Teil im Millionenpuzzle des monumentalen Tieflandbeckens. Kleine Wasserläufe markieren das Terrain, welches die Bewohner von Bekombo als legitimes Erbe ansehen. Obwohl in unmittelbarer Nachbarschaft zum Studiengebiet LuiKotale gelegen, war den Forschern und Naturschützern der Zugang nach Ekongo für lange Zeit versperrt. Die Dörfler misstrauten jenen, die den Wald und seine tierischen Bewohner schützen wollten, bezweifelten, dass es ausschließlich Forscherdrang war, der die Menschen in ihren Wald lockte. Nach jahrelangen Verhandlungen willigten die Dorfältesten schließlich ein und bestimmten eine kleine Savanne als Ort für das Camp von Ekongo (siehe NEUES vom Juni 2015). Mit Unterstützung der Ouwehands Zoo Foundation ist seit 2016 ständig ein Team vor Ort, um eine Bonobogruppe an menschliche Beobachter zu gewöhnen. Derzeit widmen sich Iris und Daniel (Bild 1) dieser schwierigen und oftmals frustrierenden Aufgabe. Nach den zähen Bemühungen in der Anfangszeit haben die Ekongo-Bonobos gelernt, dass ihnen vom Habituationsteam keine Gefahr droht. Solange sie in den Bäumen sitzen fühlen sie sich sicher, aber am Boden bleiben sie weiter auf Distanz. Das erschwert nicht nur die Beobachtungen, sondern lässt die menschlichen Begleiteter immer wieder ins Leere laufen. Eben sah man noch schwarzbehaarte Beine und Rücken vor sich laufen und auf einmal ist der Wald wie ausgestorben. Immer wieder landen Daniel und Iris in der Warteschleife, lauschen auf ein Geräusch, was die Bonobos verrät. Tut sich nichts, beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Manchmal zahlt sich das Warten jedoch aus und es ist der Geduld von Iris, Daniel und ihren Vorgängern zu verdanken, dass die Kontakte mit den Bonobos häufiger werden und immer länger andauern. Die Vermeidung der Nähe zum Menschen hat gute Gründe. Bis vor wenigen Jahren wurde im Wald von Bekombo gejagt und auch Bonobos waren nicht sicher. Mit der Übereinkunft zwischen Bonobo Alive und dem Dorf hat sich das geändert - der Wald von Ekongo ist zur jagdfreien Zone geworden. Zwei weitere Dörfer haben sich im vergangenen Jahr ebenfalls dazu entschlossen, Teile ihres Waldes nicht mehr zu bejagen. Welche Auswirkungen der verminderte Jagddruck auf die unterschiedlichen Wildtierarten hat, soll im Rahmen einer Studie untersucht werden, die demnächst in den Wäldern rund um das LuiKotale Bonobo Projekt beginnen wird. Ein wichtiger Impuls zur Umsetzung der Idee kam von der Zoo Berlin Stiftung, die einen Großteil der Kosten übernehmen wird. Wie lange dauert es, bis ehemals stark bejagte Areale neu besiedelt sind und wie wirkt sich das auf den Status von Arten aus, die um die gleichen Nahrungsressourcen konkurrieren? Wie reagieren Bonobos auf den veränderten Jagddruck? Für Bonobo Alive werden die Ergebnisse unter anderem eine wichtige Referenz dafür sein, wie sich die Verträge mit den Anrainern und das soziale Engagement des Vereins auf die Naturschutzbemühungen auswirken.

Jagd auf die stillen Jäger (02. März 2021)

Zuerst die gute Nachricht: Seit dem Sommer 2020 haben vier Dörfer im Randbereich des Salonga Nationalpark Teile ihres Waldes für Naturschutz und Biomonitoring vertraglich zugesichert. Das Kernstück eines jeden Vertrages ist die Zusage, weder Bonobos noch andere geschützte Arten zu jagen und auch das Tun der professionellen Buschfleisch-Jäger nicht mehr zu unterstützen. Der verbesserte Schutz betrifft derzeit ein Areal von ca. 500km2 Regenwald, Heimat von schätzungsweise 200 Bonobos. Verstöße gegen die Abkommen fliegen in der Regel schnell auf. Gewehrschüsse sind weithin hörbar und man kann den Ort des Geschehens gut lokalisieren. Ausserdem beobachten die aus unterschiedlichen Dörfern stammenden Mitarbeiter argwöhnisch ihre Nachbarn und informieren über Verdachtsfälle. Mit der Dauer der Abkommen wächst nicht nur das Vertrauen zwischen den Vertragspartnern sondern auch das Verständnis dafür, dass mit dem verbesserten Schutz des dorfeigenen Waldes eigene Ressourcen geschont werden. Nun die schlechte Nachricht: Als Folge der vertraglich zugesicherten Ächtung der Jagd hat die Fallenstellerei zugenommen. Das Ausbringen von Fallen ist ein mühsames Geschäft und um die Sache rentable zu machen, sind tausende Drahtschlingen notwendig. Fallen werden nicht nach dem Zufallsprinzip sondern in hoher Dichte entlang sogenannter snare lines ausgebracht. Die stille Jagd zielt auf den Fang von Waldantilopen und Wildschweinen ab, erwischt aber immer wieder Bonobos. Über die Folgen der Verletzungen durch Drahtschlingen wurde schon berichtet (NEUES, Bonobos unter Beschuss, April 2018). Erwachsene Bonobos sterben zwar nicht an den Traumata, leiden aber sichtbar und sind für sehr lange Zeit in ihren Aktionen beeinträchtigt. Wie das beiliegende Video zeigt, erfahren verletzte Tier soziale Zuwendung, Versuche, die Schlinge zu entfernen, wurden bislang jedoch nicht beobachtet. Was bleibt ist die erhöhte Aufmerksamkeit der Menschen, die im Wald arbeiten und die gezielte Suche nach Fallen. Mindestens einmal im Monat rücken Suchtrupps aus um Fallen unschädlich zu machen. Auf diesem Wege lassen sich akute Gefahrenquellen entschärfen aber das Dilemma ist offensichtlich: Die Suche nach Fallen ist bezahlte Arbeit und kann zum einträglichen Geschäft werden, wenn das Ausbringen und Einsammeln der Fallen in einer Hand liegen. Eine Strategie, diesem Dilemma zu begegnen, ist der ständige Einsatz von Patrouillen, die den stillen Jägern im Vorfeld das Handwerk legen.

Videoclip: Eine Drahtschlinge hat Tembos rechte Hand verletzt und Kebo widmet sich der Wunde.

Patrouillenmitglied beim Entsichern einer Drahtschlinge

Zehn Jahre Artenschutz: eine vorsichtige Bilanz (13. Januar 2021)

Seit zehn Jahren widmet sich Bonobo Alive dem Schutz wilder Bonobos und ihres natürlichen Lebensraumes. Ob dieses Bemühen auch erfolgreich ist fragen sich nicht nur die Akteure vor Ort sondern auch die Spender, die die Arbeiten möglich machen. Die Antwort ist alles andere als einfach denn die Kriterien, an denen der Erfolg ablesbar ist, sind sehr verschieden und in ihrer Aussagekraft zeitlich begrenzt. Ein häufig verwendetes Merkmal ist der Status einer bestimmten Population der sich aus Aufzeichnungen einer möglichst großen Anzahl von Gruppen und deren Altersstruktur ergibt. In der Realität ist die Anzahl verschiedener Gruppen gering und Informationen zur Altersstruktur auf solche beschränkt, die die Nähe des Menschen tolerieren und über relativ lange Zeiträume beobachtet wurden. Im Wald von LuiKotale wo Bonobo Alive tätig ist, sind derzeit zwei Gruppen in Langzeitstudien involviert; zwei weitere Kommunen werden gerade an die Beobachtung durch den Menschen gewöhnt. Schaut man auf die Größe der gut bekannten Gruppen, dann ergibt sich ein erfreuliches Bild. Seit Beginn der Arbeiten in LuiKotal haben die an menschliche Beobachter gewöhnten Gruppen zahlenmäßig zugenommen. Die Gründe dafür sind hohe Geburtenraten, geringe Sterblichkeit und regelmäßige Zuwanderung junger Weibchen aus benachbarten Gebieten. Einige der Weibchen Clans bestehen inzwischen aus Mutter-, Tochter- und Enkelgeneration die alle im gleichen Streifgebiet leben. Eigentlich sollten die jungerwachsenen Töchter abwandern aber manche von ihnen scheinen das mit der Migration verbundene Risiko zu scheuen. Anders als man erwarten könnte, sind die Beziehungen zwischen Mutter und Tochter nicht besonders innig und Freundschaften entwickeln sich bevorzugt zwischen Mitgliedern fremder Matrilinien. Solange die Großmütter eigenen Nachwuchs haben, scheinen die Enkel auch nicht von ihrer Anwesenheit zu profitieren und es bleibt abzuwarten, ob der Nachwuchs zu einem späteren Zeitpunkt von der Verwandtschaft Unterstützung erfährt. Weniger spekulativ ist die Annahme, dass zu Beginn der Arbeiten in LuiKotale die Population unterhalb der Kapazitätsgrenze lag und der verbesserte Schutz der Bonobos vor Jägern und Fallenstellern ein entscheidender Faktor für die Zunahme der Populationsdichte ist. Die Anstrengungen der letzten 10 Jahre waren also nicht umsonst sondern haben den Wald von LuiKotale zu einem Refugium gemacht in dem Bonobos vergleichsweise sicher sind.

Bonobos schützen (27. November 2020)

Es ist drei Uhr, für die Assistenten des LuiKotale Bonobo Projekt Zeit zum Aufstehen. Für ein richtiges Frühstück ist es zu zeitig, Tee oder Kaffee, eine Brotzeit, dann geht es los. Der Wald ist stockdunkel, der Kegel der Stirnlampe zeigt den Weg. Eine Stunde oder länger dauert der Parcours durch enge Wegschneisen, über umgestürzte Bäume und durch Lianen-Dickicht. Dann stehen sie unter den Schlafnestern der Bonobos. Nur der Geruch, ein Gemisch aus Pferdestall und Latrine verrät die Nähe der Affengruppe. Die Taschenlampen gehen aus, Masken werden aufgesetzt um die Bonobos vor Infektionskrankheiten zu schützen, dann kehrt Ruhe ein. Vor ihnen liegt ein langer Tag – in 12 oder 13 Stunden werden die Menschenaffen neue Schlafnester bauen. Dann haben sie sich 10 km oder mehr durchs Unterholz geschlagen, haben Sümpfe gequert und vielleicht einen Abstecher zu einem schlammigen Altwasserarm gemacht. Die menschlichen Begleiter heften sich an die Fersen eines bestimmten Tieres und nehmen Daten für wissenschaftliche Studien auf. Gleichzeitig sind sie Sicherheitseskorte für eine Art, deren Hauptfeind menschliche Jäger sind. Wilderer scheuen weder tagelange Fußmärschen noch das unbequeme Leben im Wald; Begegnungen mit den Affenmenschen, die sich vor Nichts zu fürchten scheinen, vermeiden sie jedoch. Bonobo Alive sammelt Spendengelder und organisiert Aktionen, die dem Schutz der Bonobos dienen. Die Umsetzung liegt in den Händen von freiwilligen Mitarbeitern, die sich für mehrere Monate von Freunden, Familie, Internetzugang und anderen Annehmlichkeiten verabschiedet haben. Diejenigen, die die Ziele des Vereins in die Tat umsetzen sind um die 25 Jahre alt, meistens weiblich, und fest gewillt, der Zerstörung natürlicher Ressourcen nicht tatenlos zuzusehen. Neun Monate verbringen sie in der Abgeschiedenheit des kongolesischen Urwaldes. Sicherung von Schutzgebieten, Lobbyarbeit für den Naturschutz und Strafverfolgung bei Missachtung der Gesetze sind wichtige Werkzeuge, um bedrohte Lebensräume und ihre Bewohner zu schützen. Aber nur dort, wo Naturschützer und Forscher ständig Präsenz zeigen, sind Bonobos und andere bedrohte Tierarten halbwegs sicher.

Giulia, Luz, Francesca, Cristian und Maisie gehören zu denen, die sich dafür einsetzen, dass Bonobos und ihr natürlicher Lebensraum eine Zukunft haben.

Führt verbesserter Schutz zu steigenden Immigrationszahlen?   (18. Oktober 2020)

Kommen Bonobos auch in größerer Entfernung zum Schutzgebiet vor, wie wirkt sich die Nutzung der Wälder durch den Menschen aus und gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen der Bonobos und der Dichte tagaktiver Affenarten die um die gleichen Nahrungsressourcen konkurrieren? Genauere Hinweise auf den derzeitigen Status der Bonobos erwarten wir uns von einem Zensus, der ab November 2020 im Großraum von LuiKotale und angrenzenden Dörfern durchgeführt wird.

Bonobos leben in stabilen Sozialgemeinschaften in denen erwachsene Frauen in der Überzahl sind. Von wenige Ausnahmen abgesehen stammen sie aus andern Gruppen, die sie erst im Pubertätsalter verlassen. Wie und wann der Wechsel genau passiert und was darüber entscheidet, welcher Gruppe sie sich anschließen, ist noch weitgehend unbekannt. Irgendwann tauchen fremde Gesichter auf und ziehen für Tage, Woche oder Monate mit der residenten Gruppe durch den Wald. Die Phase des „Fremdelns“ ist meistens von kurzer Dauer und schnell entwickeln sich freundschaftliche Beziehungen, die die anfängliche Zurückhaltung zwischen Residenten und Besuchern verwischen. Der Anschluss an die Gruppe funktioniert in erster Linie über Jugendliche und deren Mütter. Für die Jungen sind Immigrantinnen geduldige Spielpartner, für die Mütter Dienstleister in Sachen Fellpflege und Kinderbetreuung. Ob eine junge Bonobofrau noch Besucherin oder schon Gruppenangehörige ist, bleibt lange ungewiss. Manche Besucherinnen verschwinden nach Monaten und tauchen nie wieder auf. Ein sicherer Hinweis darauf, dass die Würfel zum Verbleib in einer Gemeinschaft gefallen sind, ist der Beginn einer Schwangerschaft.

Besucherinnen gab es seit dem Beginn der Arbeiten in LuiKotale. Was sich in den letzten Jahren geändert hat, ist die Zahl der Immigrantinnen, die sich dauerhaft niederlassen. Derzeit bemühen sich fünf Kandidatinnen um die Gunst ihrer Gastgeber. Dieser Trend und die hohen Geburtenzahlen haben zur Vergrößerung der seit 2007 habituierten Gruppe geführt. Die Versuchung ist groß, diesen Trend auf den verbesserten Schutz des Waldes und seiner Bewohner zurückzuführen. In diesem Fall würde man erwarten, dass auch andere Gruppen wachsen. Beobachtungen der benachbarten Gruppe, die ebenfalls täglich beobachtet wird, bestätigen diese Annahme jedoch nicht. Wichtiger als das Anwachsen einzelner Gruppen ist die Verbreitung der Bonobos in den Wäldern innerhalb und außerhalb des Salonga Nationalparks – eines der letzten Refugien der Art Pan paniscus. Kommen Bonobos auch in größerer Entfernung zum Schutzgebiet vor, wie wirkt sich die Nutzung der Wälder durch den Menschen aus und gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen der Bonobos und der Dichte tagaktiver Affenarten die um die gleichen Nahrungsressourcen konkurrieren? Genauere Hinweise auf den derzeitigen Status der Bonobos erwarten wir uns von einem Zensus, der ab November 2020 im Großraum von LuiKotale und angrenzenden Dörfern durchgeführt wird.

Die adoleszente Bella (links) groomt Ngola. Bella tauchte 2018 auf und es ist noch nicht sicher, ob sie sich dauerhaft der Gruppe anschließen wird. Ngola ist seit 2014 in der Gegend und wechselte lange zwischen benachbarten Kommunen hin und her. Seit Mai 2020 ist sie schwanger und wird vermutlich in der West-Kommune bleiben. photo © LKPB/B. Fruth Das adoleszente Weibchen Yambii schloss sich im Juni 2012 der West-Kommune an, blieb drei Monate und zog weiter. photo © LKPB/M. Kölbl

Artenschutz in Zeiten der Pandemie (30. September 2020)

Der zentralafrikanische Regenwald ist dünn besiedelt, Verkehrsmittel sind nur auf wenigen ausgebauten Pisten unterwegs und Reisen über Land erfolgen in erster Linie per pedes oder mit dem Fahrrad. Die Bedingungen für die Ausbreitung von Viren sind demnach ziemlich ungünstig. In Zeiten global grassierender Infektionen könnte sich die Abgeschiedenheit für die dort lebenden Menschen ausnahmsweise als Vorteil erweisen. Die Vermutung, dass virale Infekte wie COVID 19 ihren Ursprung in den tropischen Regenwäldern haben, ist nicht unbegründet, im konkreten Fall steht der Beweis jedoch aus. Die Auffassung, dass die letzten intakten Regenwaldgebiete für die Gesundheit der Weltbevölkerung eine akute Gefahr darstellen, könnte als Rechtfertigung missbraucht werden, den verbleibenden Refugien einer ursprünglichen Tier- und Pflanzenwelt den Garaus zu machen. Während die Medien die Angst vor viralen Attacken aus tropischen Gefilden schüren, sind Forscher und Naturschützer in Sorge, dass infizierte Menschen Wildtiere mit dem Virus anstecken könnten, wobei Arten, die nah mit dem Menschen verwandt sind in besonderer Weise gefährdet sind. Um das Infektionsrisiko zu minimieren wird vorgeschlagen, die Forschung an wildlebenden Menschenaffen zu suspendieren und auch Naturschutzaktivitäten auf ein Minimum zu begrenzen. Auf den ersten Blick erscheinen die Argumente plausibel. Angesichts der Empfindlichkeit von Menschenaffen für menschliche Erreger erscheint der völlige Kontaktabbruch konsequent und richtig. Für die ortsansässige Bevölkerung bedeutet die Suspendierung Verdienstausfall, ein Manko dem man mit der Fortsetzung von Lohnzahlungen begegnen könnte. Bei näherem Hinsehen kommen jedoch Zweifel an der Wirksamkeit der Isolationspolitik auf.

Um die Auswirkungen unterschiedlicher Schutzmaßnahmen zu testen, wurden in den letzten 10 Jahren zahlreiche Langzeitstudien durchgeführt. Das Ergebnis dieser Arbeiten ist einhellig: Freilebende Menschaffen sind überall dort gut geschützt wo Forscher und Naturschützer vor Ort aktiv sind. Dort wo die bedrohten Arten sich selbst überlassen sind, nehmen Jagd und Fallenstellerei sprunghaft zu.

Als im Frühjahr 2020 die Nachricht von der Pandemie auch in den entlegenen Teilen des Kongobeckens für Unruhe sorgte, mehrten sich im Wald von LuiKotale die Meldungen über den Zustrom von Jägern. Im Juni fanden Projektmitarbeiter die Überreste mehrerer Waldelefanten. In Zusammenarbeit mit der nationalen Naturschutzbehörde ICCN mobilisierten die Bonoboschützer eine Patrouille und wurden bald fündig. Mehrere Jagdgruppen hatten sich in direkter Nachbarschaft des geschützten Waldes eingerichtet, großflächig Fallen ausgelegt und die erbeuteten Tiere – darunter auch mehrere Bonobos - für den Transport konserviert. Das schnelle Eingreifen der Naturschutzbehörde konnte die Invasion der Jäger stoppen. Bonobo Alive wird sich noch stärker als bislang darum kümmern, das Frühwarnsystem welches Jagdtrupps detektiert auszubauen, und die Zusammenarbeit mit benachbarten Dörfern zu intensivieren. Um der latenten Gefahr, virale Erreger zu „importieren“ wirksam zu begegnen, haben sich die seit über 10 Jahren angewandten Hygieneregeln, das Tragen eines Mund-Nasenschutzes und ein 7m-Abstand zwischen Mensch und Bonobo, bewährt. Dennoch wurden auch hier in Anbetracht der Pandemie zusätzliche Maßnahmen, wie Quarantäne-Regeln und Zugangsbeschränkungen zum Forschungscamp eingeführt. 

Aus der Perspektive von Bonobo Alive, ist die Fortsetzung der permanenten Präsenz in LuiKotale durch ein Team von Forschern, Assistenten und Volontären, der wichtigste Schutz für Bonobos und damit auch für all die anderen emblematischen Arten, mit denen sie ihr Habitat teilen.

Volkszählung im Salonga Nationalpark (5. Mai 2020)

Wie viele Bonobos gibt es denn noch in freier Wildbahn? Diese Frage wird immer wieder gestellt, weniger aus reiner Neugier, sondern aus professionellem Interesse von Menschen und Organisationen, die sich um den Fortbestand der bedrohten Art sorgen. Die Frage klingt einfach, aber die Antwort ist schwer und oft sehr vage. Das Verbreitungsgebiet der Bonobos ist auf ein afrikanisches Land, die Demokratische Republik Kongo, begrenzt. In diesem mit 2,4 Millionen km2 zweitgrößten Land des afrikanischen Kontinents, kommen sie nur südlich des Kongo-Flusses vor. Welche der dünnbesiedelten Waldgebiete des Tieflandbeckens Bonobos beherbergen ist nicht bekannt, lässt sich aber grob anhand von Vegetationskarten abschätzen. Bonobos bewohnen den immergrünen Tieflandregenwaldes, nutzen aber auch Savannen-Regenwald-Mosaike. Hinweise auf das Vorkommen der Art in einem bestimmten Gebiet erlauben keine Rückschlüsse darauf, wie viele Individuen dort tatsächlich leben und ob ähnlich bewaldete Gebiete ebenfalls von Bonobos bewohnt sind. Populationserhebungen wurden in der Vergangenheit nur sporadisch durchgeführt und waren sowohl räumlich als auch zeitlich begrenzt. Wegen seiner zentralen geographischen Lage inmitten des Tieflandbeckens und der, mit 36.000 km² enormen Größe, gilt der Salonga Nationalpark als „hotspot“ für das Überleben von Bonobos. Nationale und internationale Naturschutzorganisationen wollen außerdem wissen, inwieweit das Schutzgebiet seiner Aufgabe, Wildtiere langfristig zu schützen, auch tatsächlich gerecht wird. Eine Person, die an der Aufklärung dieses Puzzles arbeitet, ist Mattia Bessone, Doktorrand an der Liverpool John Moores University in England. In seiner Doktorarbeit wertet er Daten aus, die im Rahmen der bislang umfangreichsten und aufwendigsten Biodiversitätsstudie im Salonga Nationalpark aufgenommen wurden. Bevor sich Mattia vor den Rechner setzte, leitete er für zwei Jahre die Zensusarbeiten in dem über 17.000 km² großen Südteil des Parks (Bild 1). Er sorgte dafür, dass die Feldassistenten mit Geräten und Nahrung versorgt waren und koordinierte die Datenaufnahme und den Transport der bis zu 80 Mitarbeiter. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass Bonobos zwar überall im Salonga Nationalpark vorkommen, ihre Häufigkeit allerdings sehr stark variiert. Zählungen der Schlafnester, Aufnahmen von Kamerafallen und direkte Sichtungen liefern das Rohmaterial für seine Studie. In einer ersten Analyse, die gerade in der ökologischen Fachzeitschrift „Journal of Applied Ecology“ veröffentlicht wurde, testete er die Anwendbarkeit von Kamerafallen zur „Volkszählung“ im Park. Die Studie deckt einen Zeitraum von 18 Monaten ab, 160 Kamerafallen wurden an 743 Standorten aufgestellt. Mit diesem nie dagewesenen Aufwand kamen über 16,000 auswertbare Videoclips mit insgesamt 170 Aufnahmestunden zusammen, auf denen unterschiedlichste Waldbewohner zu sehen sind. Damit konnten erstmals Vorkommen und Dichte von Bonobos und 42 weiteren Tierarten bestimmt werden. Darunter befinden sich auch zahlreiche Arten, die wegen ihrer versteckten Lebensweise dem menschlichen Auge meist entgehen.

Bonobos gingen an 66 der 743 Orte in die Kamerafalle (Bild 2). Mit diesen Film-Episoden konnte Mattia ihre Dichte im Südteil des Parks auf zwischen 0.24 und 1.21 erwachsene Individuen pro Quadratkilometer schätzen. Im nächsten Schritt wird er die Zählung der Nester und der direkten Beobachtungen entlang der 743 Transekte auswerten.

Bonobo Alive unterstütze das Vorhaben mit einer Studie zum Nestbau im Studiengebiet von LuiKotale. Jeder von der Mutter unabhängige Bonobo baut jeden Abend ein neues Nest. Manchmal bauen einzelne Individuen auch Tagnester. Um von der Anzahl registrierter Nester auf den Tierbestand rückschließen zu können, muss man wissen, wie viele Nester am Tag gebaut werden und wie lange diese Bauten sichtbar sind, die je nach Bauqualität, Baumart, Höhe und Jahreszeit unterschiedlich schnell verschwinden. Mit diesen Daten können die Ergebnisse der Kamerafallen verglichen werden, man kann genauere Aussagen zur Populationsdgrösse machen und untersuchen, welche Faktoren besonders großen Einfluss auf ihr Vorkommen in unterschiedlichen Habitat-Typen haben.

Auch diese Studie wird sich mit Schätzwerten begnügen müssen und liefert lediglich eine Momentaufnahme. Sie ist jedoch die entscheidende Voraussetzung dafür, anhand künftigen Zählungen einen Trend zu ermitteln: Haben wir es mit einer stabilen Population zu tun? Ist sie im Wachsen begriffen, oder nimmt sie, wie gemeinhin befürchtet, ab. Damit ist ein Grundstein für eine langfristige Überwachung der Bonobopopulation im größten Schutzgebiet des zentralen Kongobeckens, dem Salonga Nationalpark gelegt.

Leben ohne Arzt und Medikamente (24. Januar 2020)

Bonobos teilen ihren Lebensraum mit anderen Säugetieren. Innerhalb dieser Lebensgemeinschaft sind sie sowohl Jäger als auch Gejagte und besonders groß ist die Bedrohung durch Wilderer. Eine völlig andere Gefahrenquelle, deren Einfluss nur selten wahrgenommen wird, sind Krankheiten. Viele Viren, mit denen Menschen gut zurechtkommen, sind für Menschenaffen tödlich. Andere Krankheiten sind zwar nicht lebensbedrohlich, beinträchtigen jedoch die physische Leistungsfähigkeit und erhöhen den Druck auf das Immunsystem. Stürze aus Bäumen und Bissverletzungen von Artgenossen stellen ein weiteres Gesundheitsrisiko dar. Wie gut oder schlecht es einem Bonobo geht sieht man ihm nicht sofort an. Deshalb ist es wichtig, den Gesundheitszustand dauerhaft zu überwachen. Nur so lassen sich Änderungen von den „Normwerten“ feststellen. Seit vielen Jahren sammeln die Mitarbeiter des LuiKotale Bonobo Projektes Daten, die Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Bonobos erlauben. Dazu gehören tägliche Beobachtungen des Verhaltens, sowie das nicht invasive Sammeln von Kot- und Urinproben. zum Verhalten gehören Schlafdauer, Spielverhalten, Appetitlosigkeit oder eindeutige Symptome wie Wunden, Husten oder Schnupfen. Die Untersuchung von Kotproben im Feld, deren parasitologische Analysen im Labor, und die Messung von Substanzen im Urin, spiegeln den Grad der Belastung des Immunsystems wider. Mélodie Kreyer (Abbildung), Doktorandin an der Liverpool John Moores Universität, hat in mehreren Feldaufenthalten Daten erhoben und wertet diese derzeit im Rahmen ihrer Dissertation aus. Der tägliche Kontakt mit Forschern stellt für die Bonobos ein besonderes Risiko dar und die detaillierte Gesundheitsüberwachung ist mehr als wissenschaftliches Interesse. Zu den Vorsichtsmaßnahmen, die das Infektionsrisiko minimieren sollen, gehören der Mindestabstand zwischen Mensch und Bonobo und das Tragen von Mundschutz. Erkrankte Mitarbeiter bleiben im Camp und im Wald gelten besondere Hygienevorschriften. Diese Dinge sind Routine geworden, beantworten aber nicht die Fragen, die Mélodie umtreiben: Wie oft werden Bonobos krank, wie reagieren Gesunde auf kranke Artgenossen, verzehren Kranke bevorzugt Pflanzen mit pharmakologischer Aktivität? Die Beobachtungen an Bonobos bieten ein Modell für ein Leben ohne Arzt und Medikamente und werfen damit ein Schlaglicht auf unsere eigene Geschichte.

Artenschutz im Fokus (05. September 2019)

Der Wunsch, wilde Tiere zu erleben, führt viele Menschen in den Zoo. Wer gleichzeitig deren Schutz unterstützen möchte, muss beim Besuch der Wilhelma, des Zoologisch-botanischen Garten in Stuttgart, keinen Umweg machen. Die Wilhelma bietet ihren Besuchern die Gelegenheit, bereits mit dem Erwerb des Eintrittsticket ausgewählte Artenschutzprogramme durch einen freiwilligen Zuschlag – den Artenschutz-Euro - zu unterstützen. In zooeigenen Medien, Vorträgen und Filmen erfährt der Besucher regelmäßig, was mit den Spendengeldern geschieht. Zusätzlich organisiert die Wilhelma seit mehreren Jahren am Pfingstmontag einen Artenschutztag, zu dem sie alle Vertreter der von ihr unterstützten Natur- und Artenschutzprojekte einlädt, damit diese den Besuchern direkt berichten können, wie etwa der Kampf gegen Wilderei im Zentrum Afrikas aussieht. Bonobo Alive e.V. war 2019 auch wieder dabei und bot den Zoobesuchern die Gelegenheit, sich über die Arbeiten zum Schutz freilebender Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo zu informieren. Wer am Infotisch bei den T-Shirts mit den Konterfeis von Zizu, Zoe oder Hugo (Bonobos aus dem Wald von LuiKotale) stehenblieb, wollte natürlich auch mehr über das Schicksal dieser freilebenden Bonobos hören. Wie reagieren sie, wenn Jäger auftauchen? Was machen sie bei Verletzungen durch Drahtschlingen? Wie viele Bonobos leben noch in freier Wildbahn und was haben die menschlichen Bewohner des Regenwaldes eigentlich davon, wilde Tiere zu schützen?
Die Neugier auf die Antworten der Bonobo Alive Mitarbeiter, welche immerhin aus erster Hand von ihren Erfahrungen im Regenwald berichten konnten, war besonders bei jüngeren Besuchern groß. Das Thema Artenschutz steht damit im verdienten Fokus. Vermutlich werden zwar nur wenige Stuttgarter je in den Kongo reisen, um Bonobos in freier Wildbahn zu beobachten, aber die Außenanlagen der Wilhelma ermöglichen es trotzdem, diesen beeindruckenden Menschenaffen auch ohne vorherige Fernreise Auge in Auge zu begegnen und Menschen für deren Schutz zu motivieren.



Allianz zum Schutz der Bonobos (13. Mai 2019)

Der Salonga Nationalpark der DR Kongo, das größte Regenwaldschutzgebiet Afrikas, bietet bedrohten Tierarten Schutz – zumindest auf dem Papier. Tatsächlich ist der Park nicht nur Refugium bedrohter Tier- und Pflanzenarten, sondern gleichzeitig Revier von Jägern und Fallenstellern. Neben Elfenbein ist der Handel mit Fleisch von Wildtieren nach wie vor ein einträgliches Geschäft. Große Schutzgebiete wie der Salonga Nationalpark sind aber schwer zu kontrollieren. Dementsprechend schwierig ist die Arbeit der Naturschutzbehörde und die Patrouillen decken nur Fragmente des großen Tieflandregenwaldes ab. In vielen Teilen Afrikas ist das Umland von Schutzgebieten dicht besiedelt, Dörfer und Felder hören erst unmittelbar an den Parkgrenzen auf oder wachsen sogar in die Schutzgebiete hinein. Der Salonga Nationalpark ist dagegen von weitgehend intaktem Regenwald umgeben, sein Umland ist nur spärlich besiedelt, der Verkehr auf Pirogen, in der Regel unmotorisierte Einbäume und Fahrräder beschränkt. Die Pufferzone ist traditionelles Jagdgebiet der Bevölkerung, die ausserhalb des Parks ihre Dörfer hat. Der Wald wird als Erbe der Ahnen verstanden und die Besitzansprüche sind ungeschriebenes aber ehernes Gesetz. Tatsächlich verschafft der Wald materielle Sicherheit, denn er bietet fast alles was es zum Leben braucht: Fleisch, Fisch, sauberes Wasser, Baumaterial, Medizin. Dementsprechend ist der Zutritt zum Wald (community forest) reglementiert und die Dorfbewohner achten ziemlich genau darauf, wer sich dort aufhält und was dort passiert. Dieses Kontrollsystem nutzt Bonobo Alive seit Jahren für seine Zwecke. Das Prinzip ist ganz einfach: Für die Zusicherung der Dorfältesten, in ihrem Wald keine Bonobos und andere geschützte Arten zu jagen und Wilderern keinen Zutritt zu gewähren, erhält das Dorf Unterstützung durch Bonobo Alive. In der Regel sind das jährliche Zahlungen an das Dorf, oft kommen der Bau einer Schule, die Zahlung von Lehrergehältern und andere Hilfen dazu. Bislang funktioniert das System: Wilderer werden nicht mehr toleriert und die Bevölkerung macht den Schutz der Bonobos zu ihrer Sache.

Anfang 2019 konnte ein Vertrag mit einem dritten Dorf, Mbungusani, unterzeichnet werden. Der Wald dieses Dorfes war uns wegen seiner Größe besonders wichtig. Außerdem gehörte der Mbungusani-Wald zum Einzugsbereich von Wilderern die Jagd auf Waldelefanten und Bonobos machten. Das Abkommen mit den Dorfältesten von Mbungusani vergrößert die Schutzzone, in der Bonobos nicht mehr gejagt werden lediglich um 6 km², gerade so viel, dass die dritte Bonobo Kommune, an der wir arbeiten, besser geschützt ist. Nimmt man die Zahlen des jüngsten Zensus im Salonga, dann ist das von Bonobo Alive avisierte Waldstück von Mbungusani Heimat von zwei weiteren Bonobo-Kommunen, die in Zukunft von Bonobo Alive und den Anwohnern gemeinsam geschützt werden sollen. Wir arbeiten daran, die entsprechenden Mittel zu akquirieren, die uns ermöglichen, die gesamte Fläche in unser Schutzprogramm zu integrieren, die Dorfbevölkerung haben wir bereits auf unserer Seite.



Ein entscheidender Punkt bei den Verhandlungen mit den Dorfältesten ist die Begrenzung der jagdfreien Zone. Das flache Terrain des Tieflandwaldes bietet jedoch nur wenige geographische Referenzpunkte, die bei der Kartierung helfen. Gemeinsam mit Vertretern der drei Dörfer erstellt Barbara Fruth eine erste Kartierung im „Sandkasten“. Die hier vorgenommene Markierung wird später bei einer anschließenden Ortsbegehung verifiziert. © Alexis Louat/LKBP

Schüler helfen Schülern (13. Februar 2019)

Wenn im Sommer das Schuljahr ended, hat für die meisten Absolenten der Dorfschule der Ernst des Lebens schon längst begonnen: Fischfang, Jagd, Hausbau und Feldarbeit sind Fertigkeiten die man nicht in der Schule erwirbt. Wer auf eine weiterführende Schule will, muss in die nächste Provinzhaupstadt gehen. Für die Bewohner der entlegenen Urwalddörfer sind die Chancen auf einen höheren Abschluss gering. In der Regel scheitert ein solches Vorhaben an den Kosten für Schulgeld und den Unterhalt. Und selbst wenn die beträchtliche Kosten gestemmt werden, sind die Chancen nicht gleich verteilt: Familien investieren in erster Linie in die Ausbildung von Söhnen. Die 14-jährige Dorcas hat den Sprung aufs Gymnasium geschafft. Die Anschubfinanzierung erhielt sie von „Children for a better World“, einem Verein mit Sitz in Deutschland und von Bonobo Alive. Im August machte sie sich zusammen mit Justin, einem gleichalten Jungen aus dem gleichen Dorf auf den Weg von Lompole ins 350 km entfernte Oshwe. Für Dorcas und Justin ist das Leben im Internat eine ganz persönliche Herausforderung. Bonobo Alive verbindet die Initiative mit der Hoffnung, den Kontakt zur Schule für die Belange des Artenschutz zu gewinnen. Wie in anderen grossen Ortschaften so kommen auch im Einzugsbereich von Oshwe Bonobos und andere Wildtiere nicht mehr vor. Das Bemühen Bonobos und ihr natürliches Habitat nachhaltig zu schützen wird nur dann erfolgreich sein, wenn es bei der ansässigen Bevölkerung Geschäftsidee begriffen wird. Dorkas und Justin könnten helfen, dieses Konzept zu verwirklichen.

Bonobos unter Beschuss (17. April 2018)

Seit Jahren engagiert sich Bonobo Alive e.V. für den Schutz von Bonobos im Grenzgebiet des Salonga Nationalparks. Die Bestandszahlen belegen, dass die Bemühungen erfolgreich waren. Die ständige Präsenz von Forschern und Naturschützern hat dazu beigetragen, Fallenstellerei und Jagd einzudämmen und so die Sicherheit der an den Menschen gewöhnten Bonobos und deren Nachbargruppen zu verbessern.

Dass die Wirkung der Bemühungen Grenzen hat war uns immer klar. Wie klein der mühsam errichtete Schutzschirm jedoch wirklich ist, mussten wir vor wenigen Wochen erfahren. Im Februar trieben Fallensteller im südlichen Teil des Studiengebietes LuiKotale ihr Unwesen. Mit Hilfe der Dorfbewohner konnte unser Team rund zweitausend Drahtschlingen einsammeln. Ulrich, ein Mitglied der zentralen Studiengruppe, kam allerdings zu Schaden (Abbildung 1a&b).

Dann kamen bewaffnete Jäger, die größere Säugetiere im Visier hatten. Weder die Fallenstellerei noch die sporadischen Invasionen von Jägern in den ans Studiengebiet angrenzenden Wäldern sind ein Novum. Wohl aber die gezielte Jagd auf Bonobos. Im März erreichte uns die Meldung, dass in unmittelbarer Nähe des Studiengebietes sieben Bonobos erschossen wurden. Diese Nachricht war ein Schock – nicht nur für die Projektmitarbeiter, sondern auch für die Dorfbewohner, die für das Bonoboprojekt arbeiten. Die kongolesische Naturschutzbehörde wurde sofort informiert und bemüht sich um Aufklärung. Die Aussicht auf Erfolg ist allerdings gering. Selbst wenn die Jäger gefasst und verurteilt würden bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass so etwas jederzeit wieder geschehen kann.

Keinen Grund zur Freude aber Anlass zur Hoffnung geben die Reaktionen der Dorfbewohner, die sich für die Aufklärung dieser Wilderei einsetzen. Ihr Engagement macht deutlich, dass sie sich mit dem Projekt und seinen Zielen identifizieren. Für sie bedeuten Bonobos inzwischen sehr viel mehr als ein Stück Fleisch. Bleibt zu hoffen, dass ihr traditionelles Netzwerk den Verantwortlichen in Zukunft das Handwerk legt.

Bonobos locken Forscher, Umweltschützer und Tierfilmer an und erschließen damit ganzen Dörfern neue Einnahmequellen – allerdings nur, wenn sie leben.

Abbildung 1a) Ulrich mit einer Drahtschlinge an der linken Hand; b) Nahaufnahme der verletzten Finger. Photos © LKBP/Megan Claase

Apotheke für Menschen und Affen (04. Januar 2018)

Bonobos und Schimpansen sind die nächsten Verwandten von uns Menschen. Wir teilen nicht nur die Neigung zur Bildung komplexer Sozialsysteme oder die Fahigkeit, mit Verwandten und Fremden gleichermassen zu kooperieren, sondern auch die Anfälligkeit für Krankheiten generell und Infektionen im Besonderen. Wir gehen zum Arzt, im Zoo kommt der Veterinär. Aber was machen eigentlich freilebende Menschenaffen, wenn sie krank sind? Dieses Thema beschäftigt Wissenschaftler seit langer Zeit und die Suche beginnt in der Regel dort, wo sich auch Menschen Hilfe holen: bei Pfanzen und ihren natürlichen Heilkräften. Menschen wissen um die heilende Wirkung von Blättern, Samen, Rinden und Wurzeln und das erleichtert die Suche. Wer auf diesem Gebiet der Forschung weiterkommen möchte, sucht nach pharmakologisch aktiven Inhaltsstoffen und dem zeitlichen Aufeinandertreffen von Krankheitssymptomen einerseits und dem Verzehr von Pflanzen, deren Wirkung zu den „Beschwerden“ passt, andererseits. Für die Forscher in LuiKotale gehört der tägliche Eintrag der Beobachtungen zum Gesundheitszustand der Bonobos zur Routine. Um die Identifikation der Inhaltsstoffe kümmert sich Musuyu Muganza, ein kongolesischer Pharmazeut, der seit vielen Jahren im LuiKotale Bonobo Projekt arbeitet. Seit 2011 arbeitet er an seiner Doktorarbeit, in der er das traditionelle Wissen um die Heilpflanzen im Studiengebiet und neueste Forschungsmethoden zur Entlarvung ihrer Wirkmechanismen kombiniert. Bonobo Alive hat dieses Vorhaben in den Jahren 2016/2017 unterstützt, indem es einen Teil der Kosten für den Forschungsaufenthalt an der Universität Antwerpen finanzierte. Im Januar 2017 war es dann endlich soweit und Musuyu Muganza konnte seine Arbeit verteidigen. Als Musuyu zurück nach Kinshasa flog hatte er den Doktorhut der Uni Antwerpen im Gepäck. Wenn es jetzt noch gelingt, das Studium der Heilpflanzen und ihrer Verwendung durch Tiere an der Universität Kinshasa zu etablieren, dann kann dieses Engagement von Bonobo Alive auch langfristige Wirkung entfalten.

Die Erforschung der Heilpflanzen unseres Studiengebietes, in der Cuvette Centrale beinhaltete die systematische Sammlung von Belegexemplaren (Bild 1), ihre taxonomische Identifikation im Herbar der Universität Kinshasa (Bild 2), und pharmakologische Analysen an der Universität Antwerpen (Bild 3). Vorläufiger Endpunkt war die erfolgreiche Verteidigung der Dissertation von Musuyu Muganza (Mitte) an der Universität Antwerpen.  

Von Müttern und Söhnen (06. Juni 2017)

Bonobomütter sind fürsorglich, geduldig und kümmern sich auch noch dann um ihren Nachwuchs, wenn dieser schon erwachsen ist. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Kinder in der Gruppe bleiben, in der sie geboren wurden. Bei den Bonobos sind das die Söhne. Töchter wechseln zum Zeitpunkt der Pubertät in benachbarte Gruppen und knüpfen dort ihre sozialen Netze. Welchen biologischen Vorteil die enge Mutter-Sohn-Bindung hat ist noch nicht vollständig geklärt. Untersuchungen an Bonobos in LuiKotale deuten darauf hin, dass mütterlicher Protektionismus einen Einfluss auf die Konkurrenz der Männer hat. So unterstützen Mütter ihre Söhne in Konflikten mit anderen Männern und verschaffen dem Nachwuchs möglicherweise entscheidende Vorteile gegenüber jenen Männern, die keine nahen Verwandten haben.

Zoe gehört zum „Urgestein“ der West-Gruppe und ist, was das mütterliche Engagement angeht, mit drei Söhnen gut ausgelastet. Ben (23 Jahre) ist schon seit vielen Jahren erwachsen und hat innerhalb der Männerkohorte einen hohen Status inne. Zed (15) ist noch nicht ganz ausgewachsen, zeigt aber schon jetzt Ambitionen, die mütterliche Unterstützung für die eigene Karriere zu nutzen. Zoes jüngster Sohn Zizu (7) ist privilegiert da er sowohl vom Rang der Mutter, als auch von der Anwesenheit der Halbbrüder profitiert.

Für Bonobo Alive ist der Zoe-Clan zum Aushängeschild geworden. Ein stimmungsvolles Portrait von Zoe (aufgenommen von Caro Deimel) gab die Vorlage für das Vereinslogo und ziert auch das am meisten verkauften Bonobo Alive T-Shirt. Jetzt gesellt sich Zizu dazu: Unter Verwendung einer Aufnahme des Tierfotografen Christian Ziegler hat die Designerin Etta Sopie das Bild für die neuen T-Shirts für Kinder gestaltet. Damit symbolisieren die neuen T-Shirts ein Merkmal, welches Bonobos von anderen Menschaffen unterscheidet: Mütter und Söhne gehören zusammen.

Bonoboweibchen Zoe, © Caro Deimel; Bonoboweibchen Zizu, © Christian Ziegler; T-Shirt Kollektion


Mehr Infos:


Bilder: links: "Zizu" von Christian Ziegler, Mitte: "Zoe" von Caro Deimel, rechts: neue T-Shirt-Kollektion

Weitere Hilfe für bedrohte Bonobos (15. Juni 2016)

Für den Schutz von Menschenaffen werden weltweit große Anstrengungen unternommen wobei nicht immer klar ist, welche Auswirkungen das Investment tatsächlich hat. Verschiedene Studien haben deshalb versucht, den Effekt anhand konkreter Zahlen zu erfassen. Fazit: Die ständige Präsenz von Menschen, die sich direkt für den Schutz bedrohter Menschenaffen stark machen hat besonders nachhaltige Wirkung. Dabei  ist es egal, ob es sich um Mitarbeiter von Naturschutzorganisationen oder Forscher handelt. Aufgrund dieser Erkenntnis könnte man meinen, dass der Schutz von Menschenaffen relativ einfach in den Griff zu bekommen ist, indem man an möglichst vielen Orten Naturschützer bzw. Forscher stationiert. Tatsächlich ist die Zahl von Langzeitprojekten jedoch sehr überschaubar, was in erster Linie mit den hohen Unterhaltskosten, den schwierigen Lebensbedingungen vor Ort,  sowie dem Bedarf an geeignetem Personal zu tun hat. Eine Alternative zur Einrichtung neuer Stationen ist die räumliche Ausdehnung bestehender Projekte. Dank  der finanziellen Unterstützung der Ouwehands Zoo Foundation (OZW) und Quagga, zwei Naturschutzorganisationen aus den Niederlanden, sowie des Zoo-Vereins Wuppertal e.V., des Kölner Zoos und der Wilhelma Stuttgart, wird Bonobo Alive e.V. seine Schutzbemühungen auf ein ca. 100 km2 großes Waldstück ausdehnen. Das Areal liegt in unmittelbarer Nachbarshaft des derzeitigen Studiengebiets (siehe beiliegende Abbildung) und ist vom Forschungscamp LuiKotale aus gut zugänglich. Durch das Engagement der genannten Institutionen können jetzt auch Bewohner des Nachbardorfes für Arbeiten wie Populationserhebungen, Habituation, Biomonitoning und Anti-Wilderei-Patrouillen eingestellt werden. Von dem verbesserten Schutz werden nicht nur die dort lebenden Bonobos sondern auch andere Wildtiere profitieren. Und für Bonobo Alive bietet sich einmal mehr die Gelegenheit, zu demonstrieren, wie Tiere und Menschen gleichermaßen vom Naturschutz profitieren können.

Map

 

Kölner Zoo kleidet Wildhüter ein (18. Dezember 2015)

Bonobo

Wenn am Ende der Trockenzeit das Wasser in den Flüssen des zentralafrikanischen Regenwaldes steigt, ist Fischfang nicht mehr einträglich und die lokale Bevölkerung deckt ihren Proteinbedarf wieder zunehmend durch Jagd. Diese Subsistenzjagd ist in Anbetracht der geringen Bevölkerungsdichte ökologisch nachhaltig. Ganz anders ist es mit der kommerziellen Wilderei organisierter Banden, die mit automatischen Waffen und ausreichender Munition oft aus überregionalen Gegenden kommen. Sie haben die großen Säugetiere im Visier: Elefanten, Sumpfantilopen, Rotbüffel und Bonobos. Zwar ist die Jagd auf geschützte Arten im Kongo strafbar, aber das Gesetz bietet keinen Schutz, da die Täter selten aufgegriffen und verurteilt werden. Um den Wilderern das Handwerk zu legen, muss man in die entlegenen Waldgebiete vordringen und sie von dort vertreiben. Trotz des Engagements großer Naturschutzorganisationen passiert das nur selten und wenn, dann werden die Gesuchten meist über Buschtrommeln und andere Kanäle gewarnt. Leichter ist es, wenn sich die Einsätze auf relative kleine Areale konzentrieren und im Verbund mit den Anrainern geschehen. Diese sind von der Invasion schwer bewaffneter Wilderer in ihren angestammten Wäldern durchaus nicht begeistert.

Bonobo

Bonobo Alive e.V. ist seit Jahren auf diesem Gebiet aktiv und hat inzwischen ein recht wirksames Verfahren etabliert, bei dem Wildhüter der kongolesischen Naturschutzbehörde ICCN gemeinsam mit der Bevölkerung gegen die Wilderei vorgehen. Die Ausrüstung, Verpflegung und Entlohnung der Patrouillenteilnehmer wird über Spenden finanziert. Neben Mitglieder- und Einzelspenden, erhält Bonobo Alive e.V.  maßgebliche Hilfe von Deutschen Zoos, wie dem Zoo Wuppertal, Stuttgart oder Köln. Von letzterem bekam Bonobo Alive e.V. kürzlich willkommene Hilfe jenseits der unverzichtbaren Geldspenden: eine große Menge Arbeitskleidung. Besser ausgerüstet fühlen sich die Helfer aus den umliegenden Dörfern jetzt sicherer und den uniformierten Wildhütern ebenbürtig. Die neue Ausrüstung steigert nicht nur die Motivation sondern hat sich im unwegsamen Gelände hervorragend bewährt.
Mit der Spende des Kölner Zoo werden neue Standards für die Aktionen von Bonobo Alive e.V. gesetzt. Unter der männlichen Dorfbevölkerung  avancieren die Hosen und T-Shirts mit dem Kölner Zoo Logo nach Aussagen von Antonin Leclercq, der derzeit für die Organisation der Patrouillen zuständig ist, zum Statussymbol. Das war nicht vorgesehen – könnte dem Naturschutzgedanken aber auf ganz eigene Weise Popularität verleihen.

Bonoboschutz auf dem Prüfstand (08. Juli 2015)

Bonobo

Die größte Bedrohung für freilebende Bonobos stellt die Jagd durch den Menschen dar. Um die Bonobos im Gebiet von LuiKotale vor Wilderern zu schützen, werden seit vier Jahren regelmäßig Patrouillen durchgeführt um die Camps der Wilderer aufzuspüren, die Wilderer zu vertreiben und so die Jagd auf Bonobos und andere Groß-Säuger zu unterbinden. Diese Arbeit wird ausschließlich mit Spenden von Bonobo Alive e.V. realisiert. Aufgrund der ständigen Präsenz von Forschern im Studiengebiet von LuiKotale ist es möglich, die Auswirkungen der Anti-Wilderer Patrouillen ohne zusätzlichen Aufwand abzuschätzen. Demnach hat die Einführung der Patrouillen den Jagddruck spürbar reduziert und bei den Bonobos der beiden Studiengruppen gänzlich eliminiert. Aber wie sieht es außerhalb des vergleichsweise gut geschützten Studiengebietes aus? Haben die Patrouillen auch Auswirkungen auf andere bedrohte Arten wie Waldelefanten und Rotbüffe? Und wie nachhaltig ist die, durch die Patrouillen erzielte abschreckende Wirkung? Um diese Fragen zu beantworten wird derzeit ein Projekt durchgeführt, welches den Einfluss des Studienortes LuiKotale und den von Bonobo Alive e.V. finanzierten Patrouillen auf das Vorkommen verschiedener Tierarten, inklusive Bonobos, evaluiert. Die Resultate dieser Bestandsaufnahme werden helfen, die Wirksamkeit der räumlich begrenzten Schutzbemühungen zu bewerten und vielleicht auch zu verbessern. Außerdem können die Ergebnisse helfen, einen realistischen Plan zum Schutz der Bonobos im großflächigen Südteil des Salonga Nationalparks zu erstellen.

Bonobo

Das Projektteam wird von dem niederländischen Zoologen Joost van Schijndel geleitet und soll in den kommenden Monaten auf einem Gebiet von ungefähr 300km2 alle Anzeichen von Tier- und Menschenpräsenz systematisch erfassen. Zusätzlich werden im Zuge dieses Projektes Daten mit Hilfe von Kamerafallen erfasst, um auch seltene, scheue und nachtaktive Tierarten zu zählen. Was man da zu sehen bekommt, auf den folgenden Videoclips sehen.
Videoclip: Leopard
Videoclip: Elefant

LuiKotale Bonobos agieren in Schutzkampagne (15. Oktober 2014)

Bonobo

Seit seinem Bestehen bemüht sich Bonobo Alive e.V. um den Schutz der Bonobos im Gebiet von LuiKotale und den angrenzenden Wäldern. Jetzt agieren die Schützlinge selbst in einer Kampagne, die der WWF Deutschland zum Schutz von Bonobos gestartet hat. WWF plant ein stärkeres Engagement beim Schutz der Bonobos und ihres Lebensraumes. Dabei spielt der Salonga Nationalpark eine besonders wichtige Rolle, da er zu den wichtigsten Refugien der bedrohten Menschenaffen zählt. Die in der Kampagne verwendeten Fotos zeigen Mitglieder der Studiengruppe (Bompusa community), deren Verhalten und Lebensweise seit vielen Jahren erforscht wird. Alle Mitglieder der Gruppe tolerieren die Gegenwart der Forscher und sind inzwischen auch begehrte Objekte für Fotografen und Film-Teams. Dank der Unterstützung der Freunde und Förderer von Bonobo Alive e.V.  konnte die Population in LuiKotal und Umgebung weit besser geschützt werden, als dies andernorts der Fall ist. Bleibt zu hoffen, dass die WWF-Aktion erfolgreich ist und den Schutz der Bonobos auf andere Teile des Verbreitungsgebietes ausdehnen und langfristig sichern kann.

Familiengeschichte (11. August 2014)

Bonobo
Bonobo

Bonobomütter sind fürsorglich und pflegen enge Bindungen zu ihrem Nachwuchs. Söhne bleiben in der Gruppe in der sie geboren werden und halten auch im Erwachsenenalter noch engen Kontakt zu ihren Müttern. Töchter wandern aus und schließen sich einer fremden Gruppe an, bevor sie eigene Nachkommen haben. Polly ist da eine Ausnahme: Im Februar 2014 bekam die Bonobofrau ihr erstes Kind, im Beisein ihrer Mutter Paula und den Schwestern Priska und Parvati. Polly ist derzeit die älteste Tochter im Paula-Clan und mit geschätzten 12 Jahren eine junge Mutter. Mit der Geburt von Paulas Enkeltochter „Puran“ hatte keiner vom Forscherteam gerechnet und entsprechend groß war die Überraschung. Die Tatsache, dass Polly vor dem üblichen Wechsel in eine andere Gruppe ein Kind bekommen hat, gibt Rätsel auf. Im Wald von LuiKotale gibt es überall Bonobos und Polly hätte ausreichend Gelegenheit gehabt, sich einer anderen Gruppe anzuschließen. Vielleicht waren der hohe Status der Mutter und die damit verbundenen Privilegien auschlaggebend. Auch ist nicht gesagt, ob sie auf Dauer in der Gruppe bleiben wird. Während das Rätselraten weitergeht, bietet sich den Forschern erstmals die Gelegenheit, drei Generationen mit bekanntem Familienhintergrund gleichzeitig zu beobachten.